Element Of Crime live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Element Of Crime live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Der „Klassiker“ Element Of Crime zu Gast in der Hamburger Elbphilharmonie

„Ah, der Klassiker“, sagte neulich ein guter Freund zu mir, als ich ihm die Frage nach meinem nächsten Konzertbesuch beantwortete. Soweit ist es also bereits, die Band Element Of Crime wird als Klassiker betrachtet und dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Seit 33 Jahren existiert die deutsche Rock-Pop-Formation, die mit Basically Sad 1986 ihre erste Platte veröffentlichte und zwölf weitere Studioalben mit Eigenkompositionen folgen ließ. Ein Klassiker also, und so ein Klassiker darf dann auch in Hamburgs neuem Wahrzeichen, der Elbphilharmonie, auftreten.

Element Of Crime beginnen das Konzert mit alten Klassikern

Sänger, Gitarrist und Trompeter Sven Regener, Gitarrist Jakob Ilja, Bassist David Young und Schlagzeuger Richard Pappik, die wieder von Saxophonist Rainer Theobald und Ekki Busch am Akkordeon begleitet werden, betreten am 27.05.2018 pünktlich um 20 Uhr die Bühne der Elbphilharmonie und entführen die 2100 Besucher im seit Monaten ausverkauften großen Saal auf eine verlockende Zeitreise, die eine ganz besondere werden sollte. Mit den All-Time-Favourites „Damals hinterm Mond“ und „Draußen hinterm Fenster“ (ein besserer Einstieg in ein Element Of Crime-Konzert ist kaum denkbar) geht es direkt in die frühen 90er-Jahre, als Element Of Crime mit den beiden Alben Damals hinterm Mond und Weißes Papier zu Kritikerlieblingen wurden. Das alles ist 25 Jahre her, und noch immer entfalten Zeilen wie „Und ich frage dich nicht, wo du herkommst / Du sagst mir nicht, wo wir sind / Wir sitzen hier fest, was auch immer geschieht / Verwirrt, träge und verliebt“ magische Wirkung.

Neues, Romantisches und ein Udo Lindenberg-Cover

Songs von den englischen Alben der Frühphase lassen die Elements weg, auch Stücke von An einem Sonntag im April und Die schönen Rosen sucht man vergeblich auf der Setlist. Aber alles Dargebotene in der gediegen-schönen Location an der Elbe begeistert. Es gibt zwei neue Songs (das humorige „Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“ sowie das geheimnisvoll-düstere „Stein, Schere, Papier“), Romantisches („Fallende Blätter“), Schönes („Am Ende denke ich immer nur an dich“), noch mehr Klassiker („Mehr als sie erlaubt“, „Blaulicht und Zwielicht“, „Michaela sagt“, „Weißes Papier“, „Vier Stunde vor Elbe 1“), den größten Hit („Delmenhorst“), hanseatische Schunkelgemütlichkeit („Immer noch Liebe in mir“) sowie ein Cover eines „großen Hamburger Musikers westfälischer Herkunft“, nämlich Udo Lindenberg („Leider nur ein Vakuum“).

Bernd Begemann und Isolation Berlin als Gäste

Und Sven Regener lädt sich gerne Gäste ein. Jedenfalls für das Konzert in der Elbphilharmonie. Der „Pionier der Hamburger Schule“, der „Mann , der wohl auch über Wasser gehen kann“, Bernd Begemann (noch ein großer Hamburger Musiker mit westfälischem Hintergrund), der „Bleib zu Hause im Sommer“ solo und „Unten am Hafen“ mit Element Of Crime gewohnt launig vorträgt. Erfreulicherweise darf auch Isolation Berlin auftreten. Das junge Quartett, dessen neues Album Vergifte dich zu den bisher besten Platten des Jahres zählt, spielt daraus „Serotonin“ und „Ich bin nicht schlecht“. Eine Band, auf die nicht nur Sven Regener viele Jahre lang gewartet hat.

Andreas Dorau als weiterer Gast

Der Hamburg-Bezug geht beim dritten Gast des Abends weiter, zusammen mit Andreas Dorau schmettern Element Of Crime ein herzhaftes „Hamburg `75“. Übrigens werden Sven Regeners Ansagen werden immer witziger, seine Ausschweifungen über die Vor- und Nachteile von rundum bestuhlten Konzertsälen erreichen eine neue humoristische Regener-Dimension und führen zu einer „völlig überflüssigen Ansage, die keiner gewollt hat“. Die zahlreichen „Vielen Dank“ („Thees Uhlmann würde jetzt sagen ‚Für euch reicht’s‘“) sind gewohnter Standard und mit „Delmenhorst“ wollen sich Element Of Crime für den Niedersächsischen Literaturpreis bewerben („jetzt, wo man weiß, dass man als Songwriter auch Literaturpreise gewinnen kann“).

Hauptsache Element Of Crime

Es tut gut, die alte Klassiker-Band Element Of Crime in einem aufgeräumten Zustand während eines Konzertes kurz vor Fertigstellung des neuen Albums (das Sven Regener in einem Sounds & Books-Interview ankündigte) zu erleben. Und wie heißt es so schön in „Rette mich (vor mir selbst)“: „Hauptsache Liebe, Hauptsache Du“. Hauptsache Element Of Crime, egal wo, egal wann. Und immer wieder, auch nach so vielen Jahren noch.

(Beitragsbild: Sven Regener, Element Of Crime, Archivfoto by Gérard Otremba)

Kommentare

  • <cite class="fn">Gero Richter</cite>

    Ich bin seit vielen Jahren EOC Fan. War natürlich auch in der Elbphilarmonie. Das Konzert war wirklich gut, aber ich saß leider ganz oben. Die Ansagen von Sven Regener waren kaum zu verstehen. Die Musik kam oben an als ob man im Haus nebenan sitzen würde. Da man bei Konzerten die Musik ja gerne auch über den ganzen Körper aufnehmen möchte, war ich doch sehr enttäuscht über die Lautstärke, die oben noch ankam. Man konnte sich problemlos mit seinem Nachbarn unterhalten. Meines Erachtens war die Beschallung bei weitem nicht ausreichend für die Höhe der Halle. Mein Fazit: Element of Crime immer, Elbphilarmonie nie wieder.

    • <cite class="fn">Lucia</cite>

      Das ist wirklich schade! Wir saßen in der 8. Reihe mittig vor der Bühne, Ansagen waren zu verstehen, aber das besondere, was ich mir in der Elphi erwartet hatte, kam nicht rüber. Ich muss sagen, dass das Konzert letzes Jahr in der Gasteig-Philharmonie in München vom Sound her deutlich besser war.
      Aber ja, EoC gehören generell in andere Locations – bald ist es ja wieder soweit 🙂

  • <cite class="fn">Hans-Jürgen Becker</cite>

    Einfach wunderbar – sowohl die Musik von Element of Crime wie auch der obige Text! Vielen Dank!

  • <cite class="fn">Lucia</cite>

    Unglaublich toll Review von einem grandiosen Abend! Vielen Dank!

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