Bar: Keep Smiling – Album Review

Bar: Keep Smiling – Album Review

Das Freiburger Quartett Bar auf den Spuren von Bill Callahan und Tom Waits

Dieser Bandname kommt nicht von ungefähr. Denn in die Atmosphäre einer Bar versetzt uns das gleichnamige Freiburger Quartett mit seiner Musik, allerdings in die späte Stunde vor einem dann spärlichen Publikum. Ein großes Publikum ist indes dem neuen Album Keep Smiling zu wünschen, denn Bar bewegen sich in einer Songwriterlandschaft, die es nach wie vor und immer wieder neu zu entdecken gilt. Bar, das sind Sänger Jens Teichmann, Gitarrist Oliver Maier, Markus Heinzel am Kontrabass sowie Jeremy Dhome am Schlagzeug (auch bekannt als Drummer des bei Sounds & Books sehr geschätzten Nicolas Sturm) und Keep Smiling der zweite Longplayer der aus dem Liquid Laughter Lounge Quartet hervorgegangenen Band.

Bar Keep Smiling AlbumcoverBar setzen bei Keep Smiling auf den feinsinnigen und bedächtigen Songwriter-Indie-Pop eines Bill Callahan, den sie mit dem verzerrten Alternative-Avantgarde-Sound eines Tom Waits vermählen. Mysteriös, zeitlupenhaft, gespenstisch und wie aus dem Soundtrack eines David Lynch-Films erhebt sich „Bad Groove“ als Album-Opener. In diese dunkle Atmosphäre mischen Bar jedoch sanfte Gitarrenlicks, die wie ein entferntes, schimmerndes Licht wirken. Ganz und gar in Schwermut versinken Bar im nachfolgenden „Catastrophe“, ein vertrackter Slowmotion-Post-Blues, in dem Jens Teichmann die Lyrics vorträgt und nicht singt, der Performance auf einer Theaterbühne gleich. Aber erst richtig theatralisch wird es mit dem vorwärtsstolpernden, teilweise fiesen Blues-Rock „Bound“, den Bar in der Mitte mal schnell dekonstruieren.

Nach einer kurzen, aber explosiven Eröffnung, übernimmt die Bassdrum den sachten Herzschlag von „I Think It Will Be Fine“, begleitet von edlen Gitarrenparts, zwischendurch apokalyptisch zerstört. Ja, Bill Callahan sollte erfreut sein. Der Düster-Stimmung entfliehen Bar so gut sie können im Titeltrack, doch trotz zusätzlicher, hinreißender weiblicher Vocals, obsiegt die Traurigkeit und auch ein Lou Reed wäre nicht nur ob des verschleppten und majestätischen Tempos ergriffen. Genauso wie über den spektakulären, kurzen und kratzbürstigen Blues-Rock-Track „Self Defense“. Mit den beiden jeweils knapp sechs Minuten langen, Callahan, Waits, frühe Tindersticks und Velvet Underground zusammenführenden „Massively Passive“ und „The Curtain“ endet dann Keep Smiling. Ein Album, das fordert, einen erschauern lässt und den musikalischen Horizont erweitert.

„Keep Smiling“ von Bar ist am 11.05.2018 bei Rookie Records erschienen.

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