Isolation Berlin live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Isolation Berlin live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Einmal Hölle und kein Zurück mit Isolation Berlin

Auf ihrer Tour zum neuen Album Vergifte dich machten Isolation Berlin am 12.04.2018 Halt im Hamburger Uebel & Gefährlich und spielten sich, wie könnte es anders sein, in einen Rauschzustand. Als Isolation Berlin kurz nach 22 Uhr die Bühne des Clubs im Bunker auf St. Pauli betraten, waren die Fans durch den Support-Gig der aus Hamburg und Berlin stammenden Formation Erregung öffentlicher Erregung bereits in bester Laune, so cool und überzeugend war der Auftritt des Quintetts, das mit ihrer Mischung aus Rock’n’Roll, Post-Punk, New Wave und Neue Deutsche Welle zwischen Ideal und Nina Hagen dem Publikum mächtig anheizte.

Eine perfekte Vorband für Isolation Berlin, die neun von elf Songs ihres überragenden zweiten Albums Vergifte dich im Programm hatten und damit die Hälfte des Konzertes füllten. Dem lässigen Beginn mit dem Indie-Pop von „Annabelle“ ließen Sänger und Gitarrist Tobias Bamborschke, Gitarrist Max Bauer, Bassist David Specht und Schlagzeuger Simeon Cöster drei Songs vom neuen Album hintereinander folgen, „Serotonin“, „Antimaterie“ und „Marie“. Romantik der Marke Isolation Berlin, ein Schönklang jagte den nächsten, doch im Kosmos des Berliner Quartetts ist noch viel Platz für Dissonanzen, für Untergrund.

Mit Bamborschkes Urschrei und Bauers Gitarreninferno bei „Ich wünschte, ich könnte“ begaben sich Isolation Berlin auf den Weg in die Hölle, getrieben von den Selbstzweifeln in „Melchiors Traum“, der Verzweiflung und Wut in „Wenn ich eins hasse, dann ist es mein Leben“ und den Giftattacken von „Vergifte dich“. Fiese Gitarrenriffs, mächtige Schlagzeugwirbel und pulsierende Bassläufe begleiteten Bamborschkes exzessiven Gesang, der in „Der Bus der stillen Hoffnung“ noch an Exzentrik gewann. Ein treibender Song , der in den ersten Reihen zum ausgiebigen Tanz genutzt wurde.

In „Die Leute“ spukte Tobias Bamborschke wieder Gift und Galle, es folgte bester Franz Ferdinand-Drive bei „Prinzessin Borderline“ sowie die brachial-schöne Sehnsucht von „Fahr weg“. Das höllisch gute „Meine Damen und Herren“ fegte orkanartig durch das Uebel und hatte Bamborschke zwar die „ganze Scheiße satt“, wie es in „Isolation Berlin“ heißt, die Fans aber noch lange nicht. Und mag noch „Alles grau“  und deprimierend sein, bei Isolation Berlin holt man sich aber neue „Kicks“ und gerät in eine eskapistischen „Wahn“. Und schon sieht die Welt ganz anders aus.

Am Ende, bei der letzten Zugabe „Vergeben heißt nicht vergessen“, steht Tobias Bamborschke mit der Bierflasche in der Hand vor dem Mikro, begleitet vom sitzenden Gitarristen Max Bauer und da ist sie, die wunderschöne Element Of Crime-Romantik, die auch so gut zu Isolation Berlin passt. Mit dieser herzzerreißenden Einsamkeitsballade gibt es für Isolation Berlin zwar keinen Weg zurück aus der Hölle, aber mit ihrem Konzert im Hamburger Uebel & Gefährlich untermauern Isolation Berlin ihren Status als interessanteste und aufsehenerregendste zeitgenössische Band Deutschlands.

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