Kristjan Randalu: Absence – Album Review

Kristjan Randalu: Absence – Album Review

Das bislang aufregendste Piano-Trio-Album des Jahres

Wissbegierig ist Kristjan Randalu. Der estnische Pianist  absolvierte zunächst die Musikhochschule Stuttgart, studierte im Anschluss an der Royal Academy of Music bei Django Bates, bevor er schließlich ein weiteres Studium an der Manhattan School of Music in New York dranhängte. Die Mühe zahlte sich aus. Randalu gilt als einer der besten seines Fachs. Die Schulung im klassischen Klavierspiel und seine Passion für Jazz hat er kombiniert zu einem stilsicheren und bemerkenswert freien Spiel mit ganz eigener Handschrift.

Kristjan Randalu Absence Albumcover ECM RecordsSein Improvisationstalent brachte ihm nicht nur namhafte Preise, sondern auch anerkennendes Lob von Kollegen wie etwa Großmeister Herbie Hancock ein. „Absence“, sein ECM-Debut, nahm er zusammen mit US-Gitarrist Ben Monder und dem finnischen Schlagzeuger Markku Ounaskari auf. Die Musik darauf ist mit Jazz nur unzureichend beschrieben. Das Trio definiert auf den neun Tracks eine eigene Version von Sound. Als Hörer kann man diesem Prozess beiwohnen, denn anstatt voll auskomponierter Songs spielen sich Randalu & Co. tastend an den Kern der Musik heran. Das Album funktioniert am besten am Stück.

Nur im vollen Kontext kann man die feinen Interferenzen von „Lumi I“ und „Lumi II“ würdigen; nur dann entfaltet sich der ganze Schauder von „Escapism“ und die ganze Schönheit von „Partly Clouded“. Das Titelstück am Ende des Albums trägt Randalu solo vor. Es zeigt noch einmal die Klasse des Ausnahmepianisten. „Absence“ ist eine Sammlung höchst verschiedener Aggregatzustände. Es vereint unterschiedliche Teile, die trotz ihrer zum Teil offen zur Schau getragenen Widerborstigkeit allesamt von höchster Qualität sind und in ihrer Gesamtheit das für mich bislang aufregendste Piano-Trio-Album des Jahres ergeben.

„Absence“ von Kristjan Randalu ist am 06.04.2018 bei ECM Records erschienen (Beitragsbild: Kristjan Randalu, Ben Monder und Markku Ounaskari by Gildas Boclé) .

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