Sorority Noise: YNA_AYT – Album Review

Sorority Noise: YNA_AYT – Album Review

Schreiben als Therapie

Gut ein Jahr nach dem Erscheinen ihres dritten Albums You’re Not As____As You Think schiebt die Emo-Indie-Band aus Connecticut das Werk unter dem Titel YNA_AYT als Akustik-LP hinterher – garniert mit einem Cover des Leonard Cohen-Klassikers „Chelsea Hotel #2“. Die Themen von YNA_AYT sind daher bereits bekannt: Leben und Tod, Hoffnung und Trauer. Es stellt sich die Frage, wie die von der Presse gefeierten Stücke ohne Verzerrung und lärmende Parts funktionieren. Eines vorweg: Die Cover-Version von „Chelsea Hotel #2“ hätte es nicht gebraucht. Sie plätschert ein wenig schleppend daher und entfaltet nicht die Kraft des Cohen-Originals.

Sorority Noise YNA_AYT Albumcover Big Scary MonsterDer Opener „No Helo“ macht im Akustik-Gewand hingegen Gänsehaut. Mit Zartheit und Melancholie besingt Cam Boucher den Tod eines Freundes und seine Worte dringen durch Mark und Bein: „This last week / I slept 8 hours total, I barely sleep /Maybe that’s why I’ve been weak / The same things that plague you still plaguing me /God called you to fulfill a vacancy / I tried to see why it wasn’t me“. Die am Ende gedoppelte, überlagerte Stimme windet sich in den Gehörgang, um anschließend aufs Herz zu drücken. Boucher verarbeitet auf YNA_AYT gleich den Verlust mehrerer Menschen, die ihm nahestanden. Und so schließt sich „A Portrait Of“, das mit Klavier und Streichern aufwartet, thematisch nahtlos an: Selbstmordgedanken, die Enge in der Brust ob der Trauer und des Schmerzes und auch der wütende Wille, das eigene Leben fortführen zu können, bilden den Rahmen der Erzählung.

Der Umgang mit dem emotionalen Trümmerfeld, das diese Abschiede hinterlassen haben, ist schonungslos offen. Fast schon brutal. Es scheint, als habe Boucher das Schreiben als Therapie genutzt. Es sind durchweg intime Texte, die mit der sparsamen Instrumentierung und dem sanften Gesang unmittelbarer zugänglich sind als auf You’re Not As____As You Think. Insofern lässt sich die Eingangsfrage eindeutig beantworten: Ja, die Stücke funktionieren auch in den neuen Arrangements, denn sie gewähren gerade durch ihre Zurückhaltung einen ungefilterten Blick in eine verletzte Seele.

„YNA_AYT“ von Sorority Noise ist am 30.03.2018 bei Big Scary Monster / AL!VE / The Orchard erschienen (Beitragsbild: Pressefoto Sorority Noise).

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