Sunflower Bean: Twentytwo In Blue – Album Review

Sunflower Bean: Twentytwo In Blue – Album Review

Eine geglückte Weiterentwicklung des New Yorker Indie-Rock-Pop-Trios Sunflower Bean auf Twentytwo In Blue

Sounds & Books war bereits vom Debütalbum Human Ceremony schwer angetan und auch das Zweitwerk der New Yorker Indie-Rock-Pop-Band Sunflower Bean setzt sich mit einigen ausgezeichneten Songs im Gedächtnis fest. Die Mitglieder der Band, Sängerin und Bassistin Julia Cumming, Gitarrist und Sänger Nick Kivlen sowie Schlagzeuger Jacob Faber sind nun alle 22 Jahre jung und währen die Songs des Erstlings aus ihrer späten Teenagerzeit stammten, entstanden die Tracks zu Twentytwo In Blue in ihren frühen Twen-Zeit zwischen Dezember 2016 und Dezember 2017, einer neuen, rauhen Zeit in den USA. Eine politische Entwicklung, die auf einige Songs von Twentytwo In Blue Einfluss hatte.

Sunflower Bean Twentytwo In Blue Albumcover Lucky Number RecordsKündigten Songs wie „This Kind Of Feeling“, „I Was Home“ oder „Wall Watcher“ mit ihrer krachend-lauten Art von jener übermütigen Spät-Adoleszenzphase von Sunflower Bean, so findet man auf Twentytwo In Blue lediglich noch bei „Human For“ die rohe Wildheit dieser Songs des Debüts wieder. Das neue Album glänzt viel mehr durch noch mehr Pop, der mit der Blondie-Disco-Zeit in „I Was A Fool“ kokettiert, ein melodietrunkener, charmanter, sehnsüchtiger und melancholischer Indie-Pop, dem man sehr viel Mainstream-Airplay wünscht. Vielleicht gar noch schöner als „Easier Said“ von Human Ceremony. Irgendwo zwischen zurückhaltender ABBA-Eleganz und Fleetwood Mac-Westcoast-Lässigkeit pendelt sich „Twentytwo“ ein, das von Harmoniesüchtigkeit nur so strotzt, ein prachtvoller und anmutiger Pop-Song.

Crisis Fest“, die Antwort von Sunflower Bean auf das krisengeschüttelte Jahr 2017, versteht Sängerin Julia Cumming nicht unbedingt als ein politisches Statement, sondern als einen Song über die Kraft junger Menschen in den USA. Die Cumming sicherlich als Widerstand zur Donald Trump-Regierung sieht, dermaßen dringlich schmettert die Band diesen Song im Alternative-Rock-Modus, der so sehr an die 70er erinnert. Dort findet auch „Puppet Strings“ seine Vorbilder, nämlich im fetten wie bunten Glam-Rock. Ebenfalls überaus gelungen ist der Platteneinstieg mit „Burn It“, in dem Nick Kivlen mit schnittigen Gitarrenriffs und knackigen Gitarrensoli für Furore sorgt, während Bass und Schlagzeug um die Wette grooven.

Die Ballade „Only A Moment“ ist eine gelungene Pretenders-Reminiszenz, „Any Way You Like“ schaukelt sich im sanften Sixties-Dream-Pop in den Schlaf, traumversunken auch der Indie-Pop-Rock von „Memoria“ und auf die Spurensuche der Kinks gehen Sunflower Bean in „Sinking Sands“, natürlich auf ihre eigene, überaus betörende Weise. Das abschließende „Oh No, Bye Bye“ klingt, als ob R.E.M. in den Psychedelic-Topf gefallen wären, ein hinreißendes Ende dieses Albums. Sunflower Bean entwickeln sich mit Twentytwo In Blue weiter, zeigen noch mehr Sinn für feinste Melodik, Rocken aber weiterhin in so guter Form wie auf dem Debütalbum. Das Trio zelebriert einen (Indie-)Rock-Pop, dem man sehr viele Hörer wünscht.

„Twentytwo In Blue“ von Sunflower Bean erscheint am 23.03.2018 bei Lucky Number Music / Rough Trade (Beitragsbild: Sunflower Bean by Hollie Fernando).

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