Yo La Tengo: There’s A Riot Going On – Album Review

Yo La Tengo: There’s A Riot Going On – Album Review

Mit Schönheit gegen die Wut

There‘s A Riot Goin‘ On“ – diesen Titel wählten 1971 auch Sly & The Family Stone für ihr neues Album. Es war ein wütendes Funk-Album, hochpolitisch und rau. Vertontes Anti-Establishment. Dass nun, 47 Jahre später, auch Yo La Tengo diesen Titel für ihr neues, das nunmehr 15. Album wählen, hat für Spekulationen gesorgt. Würde das Trio aus New Jersey nun ein ebenso wütendes Echo auf die politischen Entwicklungen in den USA vertonen?

Nun, die Wahl des Titels darf man durchaus als politisches Statement bewerten. Musikalisch wählen Yo La Tengo aber nicht die Wut als Ausdrucksform, sondern bleiben ihrer kuschelwarmen Mischung aus Folk, Chanson und Lo-Fi-Pop treu. Seit mittlerweile 34 Jahren bieten Ira Kaplan, Georgia Hubley und James McNew mit ihrer entschleunigten Musik eine Auszeit, einen Rückzugsort, ein Versteck.

Yo La Tengo There's A Riot Going On AlbumcoverAuf „There‘s A Riot Goin‘ On“ hat das Trio 15 Songs in knapp 62 Minuten untergebracht. Man braucht drei, vier Durchgänge, um die ganzen Schönheiten dieser Platte wahrgenommen zu haben. Dinge wie der Gitarrensoli-Dialog am Ende des von Velvet Underground inspirierten „Shades Of Blue“, der Fuzz-Bass im schrecklich schönen „For You Too“, das John Coltrane-Zitat in „Above The Sound“ oder der Bossa Nova in „Let’s Do It Wrong“. All diese liebevollen Details machen den Reiz dieser maximal unaufgeregten Platte aus. Yo La Tengo musizieren mit der Entspanntheit alter Hasen, die nichts mehr zu beweisen, aber noch jede Menge mitzuteilen haben. Im letzten Song „Here You Are“ dauert es fast zwei Minuten, bis Kaplan die ersten Worte haucht. Der Track wird nach fünf Minuten unterbrochen, bevor er nach einigen Augenblicken Pause noch einmal für knapp zwei Minuten zurückkommt und das Album mit einem langen Fade-Out beschießt.

Es ist eine entrückte Platte geworden, die sich um Formatvorgaben wenig schert. Yo La Tengo hören auf ihr Bauchgefühl. Fühlen statt denken. Yo La Tengo zetteln mit „There’s A Riot Going On“ einen Aufstand der Stille und Besonnenheit an. Im Kanon der Band wird sich das Album locker im oberen Drittel einpendeln. Mindestens.

„There’s A Riot Going On“ von Yo La Tengo erscheint am 16.03.2018 bei Matador / Beggars Group (Beitragsbild: Yo La Tengo, Pressefoto, credit Godlis).

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