Young Fathers: Cocoa Sugar – Album Review

Young Fathers: Cocoa Sugar – Album Review

Blumen auf dem Schrotthaufen

Album Nummer 3 der Schotten, die mit den beiden Vorgängern „Dead“ und „White Men Are Black Men Too“ bereits für reichlich Wirbel gesorgt haben. Für das Debut gab es 2014 viel Lob und sogar den Mercury Prize. Von traditionsbewussten Hip-Hoppern dagegen wird das Trio wegen seiner Vorliebe für abseitige musikalische Einflüsse wie Krautrock, Elektropop oder Avantgarde eher skeptisch betrachtet. Daran könnte „Cocoa Sugar“ jetzt etwas ändern. Denn obwohl Alloysious Massaquoi, Kayus Bankole und Graham ‚G‘ Hastings ihrem Stil treu bleiben, gelingt ihnen mit diesem Release der Brückenschlag zum Mainstream.

Young Fathers Cocoa Sugar AlbumcoverDas liegt vor allem an der gestiegenen Klasse der Kompositionen. Insgesamt 40 Stücke hatten die drei in den Probe-Sessions zusammengetragen. In einem harten Selektionsprozess kristallisierten sich schließlich die elf besten Tracks heraus – und fanden ihren Weg auf „Cocoa Sugar“. Das Album ist in zwei Hälften geteilt. Während es im ersten Abschnitt gemächlich, ruhig und bisweilen auch reichlich düster zugeht, zeiht das Tempo im zweiten Abschnitt spürbar an. Beides hat seinen Reiz. Die nach Voodoo klingenden „Fee Fi“ und „In My View“ sowie die gospelartige Pianoballade „Lord“ samt noisigem Outro zeigen die neu gewonnenne Reife des Trios.

Wendepunkt des Albums ist dann „Tremolo“, ein souliges Stück, das mit morbider Orgel und wunderschöner Melodie aufwartet. Richtig urban und quirlig sind dann vor allem „Wow“ und „Toy“ geraten. „Picking You“ ist dann der Hit am Ende eines Albums, das trotz einiger Längen und Unentschiedenheiten erstaunlich zeitgeistig daherkommt. Young Fathers vertonen die ganze Zerrissenheit einer Generation, die zwischen Sehnsucht und Wut schwankt, zwischen Licht und Finsternis. Die Musik, die sie dafür geschrieben haben, ist kaputt und unrund, trägt jedoch ein wärmendes Licht in sich. Man muss nur genau hinhören.

„Cocoa Sugar“ von Young Fathers erscheint am 09.03.2018 bei Ninja Tune / Rough Trade (Beitragsbild: Young Fathers, Fotocredit: JUNN).

Kommentar schreiben