Dita Von Teese: Dita Von Teese – Album Review

Dita Von Teese: Dita Von Teese – Album Review

Der Tod des Subjekts

Das Gesamtkunstwerk Dita Von Teese dürfte einigen als leichtbekleidete Burlesque-Tänzerin in einem überdimensionierten Champagnerglas ein Begriff sein. Wer dieser Kunstform nicht verfallen ist, der wird die 45-Jährige dann vielleicht auch als Ex-Frau von Rüpelrocker Marilyn Manson, Schauspielerin oder Aktmodel kennen. Dass Fräulein Von Teese vielfältige Talente hat, beweist sie nun auf ihrer ersten selbstbetitelten LP. Das Album ist keines nach dem Motto Ich-mach-dann-jetzt-auch-mal-Musik à la Carmen Geiss, oder Ich-bin-ein-Star-hol-mich-hier-raus-Hit-Album.

Dita Von Teese CoverDavon abgesehen, dass die Tänzerin in der Vergangenheit z.B. als Gastkünstlerin bei dem südafrikanischen Rap-Rave-Band Die Antwoord in dem Song „Gucci Coochie“ ihre Stimmbänder schon einmal ölen durfte, hat sie sich für ihr eigenes Oeuvre gewohnt stilbewusst mit dem französischen Sänger Sebastien Tellier zusammengetan. Der hat alle Lieder eigens für sie komponiert und ziert mit ihr dann auch das Plattencover. Elf Songs sind nun entstanden, die zwischen französischen Elektropop und Dark-Wave angelegt sind. Das ist nicht ganz überraschend und passt irgendwie zum curricularen Hintergrund der Künstlerin. Von Beginn an aber ist man ob des Album-Konzeptes hin und her gerissen.

Von Teese selbst sagt: “I’m not a professional singer, in fact, I’m quite uneasy about recording my voice“. Stimmliche Inkompetenz kann man der Tänzerin auch nicht vorwerfen. Dennoch fehlt es dem Album auf ganzer Linie an einer großen Portion Leichtigkeit. Die Songs sind alle gleichförmig angelegt und rhythmisch nicht besonders abwechslungsreich. Gepaart wird dieses Konzept mit einer Mischung aus englischen-und französischen Texten. Die Lyrics werden lasziv dahin gehaucht, so dass man sich an eine Imitation von Carla Bruni erinnert fühlt, alternativ im Sprechgesang vorgetragen und wirken größtenteils so blechern und unentspannt, als würden sie schlichtweg abgelesen. Ein besonderes Glanzstück sucht man auf der Platte bisweilen vergeblich. Das größte Manko der Scheibe aber: es fehlt an der Besonderheit, der Mystik und dem Charisma, das der Person Dita Von Teese anhaftet.

Sebastien Telliers Absicht war das wohl nicht, denn über das Album äußert er sich selbst :“I was looking for someone both beautiful and unique. When I saw Dita dance to a piece of music I had written for her, I had a feeling that her physical presence and her personality were a perfect fit with my music and I started to compose only for her.“ Die Einzigartigkeit der Amerikanerin wird durch die Produktionsart und die Schublade des düsteren, französische Elektropops fernab von der Aussage Telliers auf massentauglich und ziemlich gewöhnlich getrimmt. Der postmoderne Tod des Subjekts in höchster Form. Sollte dieser Kontext die Metaebene des Albums sein, ist das Konzept durchaus gelungen. Ein Album auf dem Dita Von Teese nicht nur drauf, sondern auch drin ist, sucht man allerdings bei diesem Debüt vergeblich.

„Dita Von Teese“ von Dita von Teese erscheint am 16.2.2018 bei Record Makers / Cargo (Beitragsbild: Album-Cover).

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