Gisbert zu Knyphausen live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Gisbert zu Knyphausen live in Hamburg 2018 – Konzertreview

„Denn die Liebe, die du gibst, das ist die Liebe, die du kriegst“

Die Herbsttour 2017 musste Gisbert zu Knyphausen wegen Erkrankung abbrechen, Hamburg war zwar nicht betroffen, aber umso schöner, dass der 38-jährige Songwriter ein zweites Mal in der Hansestadt vorbeischaute und am 14.01.2018 vor erneut ausverkauftem Haus in der Großen Freiheit 36 spielte. Nachdem die Berliner Band Yippie Yeah, bestehend aus Sängerin, Gitarristin und Keyboarderin Marlène Colle, Cellistin Kristina Koropecki und Peter Bartz am Schlagzeug, einige hörenswerte, zwischen Chanson, klassischem Liedermachergut und Folk-Pop changierende und kunstvoll arrangierte Songs zum Vortrage brachte, betrat Gisbert zu Knyphausen mit seiner Band um 21 Uhr die Bühne der Großen Freiheit 36 und zeigte sich wieder bei bester Stimme.

Lange Zeit mied zu Knyphausen das Rampenlicht, der Tod von Nils Koppruch im Oktober 2012, mit dem er just zuvor auf Tour mit der gemeinsam gegründeten Band Kid Kopphausen war, musste verkraftet werden. Gisbert zu Knyphausen ging auf Reisen und arbeitete an Nebenprojekten, bevor letztes Jahr das wundervolle dritte Solo-Album Das Licht dieser Welt erschien. Die erste Hälfte seines Auftritts stand dann auch im Zeichen der neuen Songs, die das Gros der ersten Stunde bildeten. Mit dem edlen „Niemand“ begann das Konzert, gefolgt vom fluffigen und unbeschwerten „Unter dem hellblauen Himmel“. Vom ersten bis zum letzten Ton des 110 Minuten dauernden Gigs fassten Schlagzeuger Tim Lorenz, Bassist Florian Eilers, Keyboarder und Gitarrist Jean-Michel Tourette, Martin Wenk an Trompete und Gitarre sowie Posaunist Michael Flury, die alle am aktuellen zu Knyphausen-Album beteiligt waren, die zumeist melancholisch-schwermütige Atmosphäre der Songs perfekt ein.

Natürlich rocken sie gemeinsam mit Gisbert zu Knyphausen wenn es darauf ankommt, wie bei dem Kid Kopphausen-Klassiker „Das Leichteste der Welt“, das an vierter Stelle der Setlist stand und später bei „Hier bin ich“, ebenfalls aus der Kid Kopphausen-Zeit stammend. Auch der vorwärtspreschende Indie-Rock von „Sommertag“ wurde gebührend durch den Wolf gedreht. Doch dann diese an Element Of Crime erinnernde Melancholie bei „Sonnige Grüße aus Khao Lak, Thailand“, die gehauchten Bläser während „Ich bin Freund von Klischees und funkelnden Sternen“, die Eleganz von „Teheran smiles“, die Lakonie und Schwermut bei „Kräne“ und die Dramatik in „So seltsam durch die Nacht“. Das Hamburger Publikum erwies sich als ein überaus diszipliniertes, aufmerksames, leises und zuhörendes, besonders bei ruhigen Songs.

Die Stille während „Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten“ und „Kommen und Gehen“ war extrem auffällig, nicht immer üblich heutzutage auf Konzerten und umso löblicher. Völlig zu Recht waren die Fans von der ersten Zugabe, dem trostspendenden „Das Licht dieser Welt“, aus dem Häuschen, erfreuten sich am zierlichen „Dich zu lieben ist einfach“ und wurden von einem zurückhaltenden, schüchternen, sympathischen und mit dieser wahnsinnig angenehmen Stimme gesegneten Gisbert zu Knyphausen mit dem einsamen Blues-Noir von „Haus voller Lerchen“ in die kalte Hamburger Nacht verabschiedet. Gisbert zu Knyphausen ist einer der besten Songwriter Deutschlands, der bei seinen Konzerten die ganze Gefühlsskala bedient und den man unbedingt live erleben sollte. Hamburg hat es getan und dankt zutiefst, „denn die Liebe, die du gibst, das ist die Liebe, die du kriegst.“

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