Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen und Zimt live in Hamburg 2017 – Konzertreview

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen und Zimt live in Hamburg 2017 – Konzertreview

 

Die Hamburger Urgesteine und das Augsburger Newcomer-Trio versüßen die Zeit zwischen den Jahren

Traditionellerweise sorgen Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen und Bernd Begemann, der heute Abend auftritt, für den musikalischen Reigen zum Jahresausklang im Hamburger Knust.  Dieses Jahr hat sich die Liga zum Konzert am 28.12.2017 das Augsburger Trio Zimt als Support eingeladen, das Ende August beim Liga-Label Tapete Records das Debütalbum Glückstiraden veröffentlichte. Ein deutschsprachiges Indie-Pop-Album, das bei Sounds & Books auf offene Ohren stieß und für mich zu den besten Platten des Jahres gehört. Und weil Zimt so gute Musik machen schon weit mehr sind als eine weitere hoffnungsvolle Nachwuchsband, bekommen sie gerechtfertigterweise mit über 40 Minuten reichlich viel Spielzeit für eine Vorgruppe.

Das sympathische Trio, bestehend  aus Janina Kölbl (Gesang, Keyboard, Gitarre), Isabella Theil (Bass, Backing Vocals) und Schlagzeuger Ralf Hess, der auch noch bei Endlich Blüte musiziert, nutzt das Angebot und spielt auf charmante Weise alle die noch viel zu unbekannten Indie-Hits von Glückstiraden, vom lässig-melancholischen Opener „Nicht mehr bei mir“, über das hymnische „Du kannst so leben wie du willst“ und dem Gitarren-Pop von „Tag verschenken“ und „Ideal ist nichts“ (übrigens Song des Jahres bei Sounds & Books) hin zum Keyboard befeuerten „Schwaches Herz“ und dem treibenden „Wohlstand“. Zimt verbinden New Wave und den 80er-Gitarren-Pop auf intelligente Art und schaffen es, einen 30 Jahre jünger fühlen zu lassen. Und wessen Gitarre einen „reading is sexy“-Aufkleber ziert, passt zu Sounds & Books und kann nicht viel falsch machen. Zimt ist die Band der Stunde, die am 16.02. wieder in Hamburg auftritt, dann in der Astra-Stube.

Beim Hören der Musik von Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, vor fünf Jahren nach der Trennung von Superpunk gegründet, wird man gefühlt 50 Jahre jünger. Im Juli brachte die Hamburger Formation mit It’s OK To Love DLDGG ihr bereits viertes Album auf den Markt und der Mix aus Beat, Rock’n’Roll, Garage-Pop, Northern Soul und Rhythm & Blues funktioniert immer besser. Vom fetzigen Start „Song für Eis-Gerd“ weg ist das Quintett hellwach und präsent. Sänger und Gitarrist Carsten Friedrichs, Bassist Tim Jürgens, Keyboarder Gunther Buskies, Gitarrist und Saxophonist Philip Morten Andernach sowie Schlagzeuger Heiko Franz stürzen sich mit überbordender Spielfreude in das gut 100-minütige Konzert und heizen dem Publikum im voll besetzten Knust mit „Die Welt braucht mehr Leute so wie dich“ und „Kennst du Werner Enke?“ bereits zu Beginn mächtig ein.

Das Tempo und die Intensität hält die Liga über den gesamten Auftritt hinweg durch. Bandklassiker wie „Alle Ampeln auf Gelb!“, „Der beste Zechpreller der Welt“, „Die ganze Welt ist gegen mich (Blues für Rolf Wütherich)“ und „Jeder auf Erden ist wunderschön (sogar du)“ wechseln sich mit neuen Songs wie „Liebe wohnt hier nicht mehr“, „Der große Kölner Pfandflaschenbetrug“ und „It’s OK To Love DLDGG“ ab. Die Stimmung im Knust ist prächtig, der Fan-Chor intoniert fleißig bei „Alleine auf Partys“ und als Gäste treten der von Tapete Records wiederentdeckte Jetzt!-Sänger Michael Girke mit den famosen Songs „Wenn Deutschland träumt“, „Kommst du mit in den Alltag?“ und im Zugabenblock „Du bist nicht allein“ sowie Liga-Spezi Andreas Dorau, der zwar wenig Zeit mitbringt, aber anschließend bei „Ossi mit Schwan“, „Demokratie“ und als erste Zugabe des Abends, „Liebe kaputt“, eine formidable Rampensau abgibt. Mit der knackigen „Ballade von der Band“ beendet die Liga den Abend uns bei so viel versprühter guter Laune kann das neue Jahr beruhigt kommen.

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