Slime live in Hamburg 2017 – Konzertreview

Slime live in Hamburg 2017 – Konzertreview

 

Zwei Stunden pure Punk-Energie beim Slime-Heimspiel in Hamburg

Dass Slime live eine Naturgewalt sind, ist bekannt. Entsprechend gut besucht war die aktuelle Tour. 27 Termine hat Deutschlands wichtigste Polit-Band 2017 gespielt – von Thessaloniki über Niedergörsdorf, von Wien bis Berlin. Zum Tourabschluss kommt die Band traditionell nach Hause. Und wer das schon mal erlebt hat, der weiß: Slime und Hamburg – das ist ein ganz besonders explosiver Cocktail. In den rund 120 Minuten der Show am 22.12.2017 in der Großen Freiheit 36 wird sich diese Energie zu einem Ausbruch steigern, den in dieser Form nur wenige Bands entfachen können.

Spannend war diesmal vor allem die Frage, wie die neuen Stücke von der „Hier und Jetzt“ ihre Bühnentaufe überstehen und wie sie mit dem klassischen Material harmonieren würden. Die Antwort: bestens. Ob „Patrioten“, „Brandstifter“, „Ich kann die Elbe nicht mehr sehen“, „Schöne neue Welt“, „Die Banalität des Bösen“, das von Gitarrist Elf gesungene „Der siebte Kontinent“ oder „Die Stummen“ – live gewinnen die ohnehin starken Songs der neuen Platte noch einmal an Wucht und Überzeugung und werden vom Publikum in der ausverkauften Großen Freiheit auf St. Pauli lauthals mitgesungen.

Dazu gesellen sich die Großkaliber aus dem Backkatalog. „Albtraum“ und „Alle gegen Alle“, „Artificial“ und „Schweineherbst“, „Wir geben nicht nach“, „Linke Spießer“ und natürlich „Deutschland muss sterben“ werden frenetisch gefeiert. Stark auch das bedrohliche „Goldene Türme“, dessen thematische Aktualität erschreckend ist. „Zu kalt“ und „Gewalt“ werden in Akustikversionen vorgetragen.

Slime spielen längst in einer eigenen Liga. In einer Zeit, in der Musik überwiegend zur Unterhaltung verkommen ist und politische Meinungen öffentlich nicht mehr geäußert werden, sind ihre Protestsongs ein Segen. „Hier und Jetzt sind wir immer noch da / Auch wenn der Weg nie zuvor so im Dunklen lag / Hier und Jetzt sind wir immer noch stark / Das kriegen die niemals aus uns raus und fünf Finger sind eine Faust“ singen Slime selbst im Titelsong ihres neuen Albums. Und es tut so gut, das zu wissen, sie auf seiner Seite zu haben.

So gerät diese „Coming Home“-Show zum Triumph. Im Zugabenblock kommen „ACAB“ und „Religion“ zum Einsatz. Und kann es ein besseres Finale geben als das hymnische „Let’s Get United“? Am Ende stehen sich ein klatschnass geschwitztes Publikum und eine glückliche Band applaudierend gegenüber. Dirk Jora schlägt sich wiederholt mit der Faust gegen die Brust und schüttelt ungläubig mit dem Kopf. Danke für diesen großen Abend – und bis zum nächsten Jahr.

(Beitragsbild: Viktor Schanz)

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