U2: Songs Of Experience – Album Review

U2: Songs Of Experience – Album Review

 

Mehr Liebe

Im Sommer gastierten U2 in Berlin, um im Olympiastadion ihr 30 Jahre altes Album „The Joshua Tree“ in voller Länge aufzuführen. Es war die Verbeugung vor dem eigenen Meisterwerk, ein ähnlich bahnbrechendes U2-Album wie Achtung Baby aus dem Jahre 1991. Und es war ein überwältigendes Konzert, das die Kraft und ewige Gültigkeit der Joshua Tree-Songs unter Beweis stellte. Seit Mitte der 90er-Jahre sind U2 vielleicht nicht mehr innovativsten Vertreter ihrer Zunft und mehr dem Verwaltungsmodus verfallen, aber die besonderen U2-Momente finden sich noch auf jeder ihrer weiteren Veröffentlichungen. So ist das auch bei Song Of Experience, dem neuen Studioalbum des irischen Quartetts.

Sounds & Books_U2_Songs Of Experience_Cover_Universal MusicDer Nachfolger von Songs Of Innocence sollte bereits früher erscheinen, die Veränderungen der politischen Lage mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA veranlasste Bono, The Edge, Adam Clayton und Larry Mullen Jr. zu einem Umdenkungsprozess. Doch trotz der Überarbeitung fahren U2 auf Songs Of Experience einen Schlingerkurs, der keinen überzeugenden Gesamteindruck hinterlässt. In Zeiten der Dunkelheit ist uns die Liebe abhanden gekommen. Aber gelichzeitig is die Liebe auch alles, was uns übrig bleibt und der große Hoffnungsanker dieses Albums. Da wird Bono nicht müde, dieses Mantra zu predigen, wie im traurigen, auf zart gewobenen Synthieflächen basierenden Opener „Love Is All We Have Left“. Im vorletzten Song des Albums, dem opulenten „Love Is Bigger Than Anything In It’s Way“ stellt Bono nochmal die Bedeutung der Liebe hervor, dazwischen besingt er noch den „Summer Of Love“. Zu diesen typischen, himmlischen U2-Hymnen zählt jetzt auch „You’re The Best Thing About Me“, groß angelegter Stadionrock.

Weitere Gewinner von Songs Of Experience sind der zupackende Alternative-Rock von „American Soul“, das geschmeidig-ausgelassene „The Showman“ und das bewegende „13 (There Is A Light“, das zwar selbstreferenziell an „Song For Someone“ anschließt, aber trotzdem einen Wirkungstreffer setzt. Auf Songs Of Experience arbeiten U2 mit allerlei Selbstzitaten und modernen Indie-Pop-Einflüssen („Red Flag Day“, „The Blackout“), die nicht unbedingt hätten sein müssen. So bleibt ein über weite Strecken eine gewisse unbefriedigende Ratlosigkeit zurück. Aber alles, was wir benötigen ist Liebe, gehen wir also nicht zu streng mit U2 ins Gericht.

„Songs Of Experience“ von U2 erscheint am 01.12.2017 bei Island / Universal Music.

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