George Watsky – Wie man es vermasselt

George Watsky – Wie man es vermasselt

 

Der Rapper als literarische Zukunftshoffnung

Als Rapper hat der 1986 in San Francisco geborene George Watsky bereits fünf Alben veröffentlicht. Weitere Meriten erwarb er sich als preisgekrönter Poetry Slammer und Schauspieler. Wie man es vermasselt ist Watskys Prosadebüt und versammelt dreizehn autobiographisch gefärbte Stories, die er stilistisch auch ohne seinen HipHop-Flow zu erzählen vermag. Es sind berührende Kurzgeschichten dabei, wie beispielsweise seine Kindheitserinnerungen in der Vater-Sohn-Baseball-Story „Tränen & Baseball“. Ein Psychoanalytiker rettet Watskys introvertierten Vater, der im Alter 30 Jahren seinen allerbesten Freund kennenlernt, in dessen Jugendzeit das Leben und obwohl ausgeprägt unsportlich, beginnt dieser sich  auf Rat seines Therapeuten während eines Ferienjobs für Baseball zu interessieren, um in Kontakt mit den anderen Mitarbeitern zu treten.

Sounds & Books_George Watsky_Wie-man-es-vermasselt_Cover_Diogenes-VerlagDie dadurch erlangte bessere Akzeptanz bewirkt eine lebenslange Baseball-Leidenschaft bei Watsky Senior mit der Folge, dass Georges erstes gesprochenes Wort „Ball“ hieß. Watskys realistische Ausführungen über das Fansein seines Vaters können nicht nur sportbegeisterte Menschen nachvollziehen. In Wie man es vermasselt erzählt George Watsky witzige Anekdoten aus seinem schulischen Außenseiterdasein, abenteuerliche aus seinem Europa-Urlaub nach der High School und es sind Erzählungen zu finden, die zwischen Selbsthass und Selbstakzeptanz changieren. In vielen weiteren Stories, wenn Watsky über seine Epilepsie-Erkrankung, seiner Hingabe zu älteren Frauen oder über seine Anfänge als Schauspieler schreibt, beherrscht er die Gabe der Selbstironie. Die absurd-skurrile Schmugglergeschichte „Stoßzahn“, mit der dieser Erzählband beginnt, ist jedoch die literarisch wertvollste.

George Watsky vermasselt es nur scheinbar und trotz der dunklen Seiten seines Lebens offenbart er uns durchweg optimistische Erzählungen, die sich phasenweise wie die Vorlage für einen Film der Coen-Brüder lesen. Seine genaue Beobachtungsgabe, sein Blick für die Details, seine Coolness, seine unverblümte Frechheit, sein Humor, aber auch seine Sensibilität gegenüber seinem familiären und Freundesumfeld sind die Stärken der Watsky-Prosa. Wie man es vermasselt ist ein literarischer Pageturner, der an vielen Stellen süchtig macht, ein starkes Debüt. Mit George Watsky hat Amerika eine neue literarische Zukunftshoffnung.

George Watsky: „Wie man es vermasselt“, Diogenes, aus dem Amerikanischen übersetzt von Jenny Merling, Hardcover, 978-3-257-07007-1, 22 € (Beitragsbild: Eleanor Stills).

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