Prinz Pi: Nichts war umsonst – Album Review

Prinz Pi: Nichts war umsonst – Album Review

 

Die Erfindung des Daddy Rap

„Wie könnt ich schlecht drauf sein bei dem Lachen von meinem Sohn?“ – dieses eine Zitat aus dem Song „Zahlen“ bringt Prinz Pis neuestes Album perfekt auf den Punkt. „Nichts war umsonst“ sprüht über weite Teile eine gelassene Grundzufriedenheit aus. Schon der Einstieg fällt mit den schmachtenden Violinen dabei kitschigst möglich aus und setzt die Richtung für das Album. „Nichts war umsonst“ wirkt komplett stimmig, lässt dafür aber zwischendurch Ecken und Kanten vermissen. Eines der großen Highlights der Platte ist definitiv die Zusammenarbeit mit Bausa.

Sounds & Books_Prinz Pi_Nichts war umsonst_CoverMit „Nordpol“ liefern die beiden Rapper einen Pop-Rap-Track im besten Sinne, der durch den cleveren Autotune-Einsatz einen sehr schönen Gegenpol zu den instrumentierten Soundteppichen hat. Auch die Singles „Letzte Liebe“ und „Hellrot“ sind wirklich gut gewählt. Sie zählen zu den musikalisch und sprachlich spannenderen Liedern des Albums. Dass Prinz Pi sich auf „Nichts war umsonst“ zufrieden zeigt, ist logisch, es ist glaubhaft und doch kann ich es nicht fühlen. Ich, irgendwo zwischen Anfang und Mitte 20, sehe,wie viele seiner Themen in meinem Leben noch keine Rolle spielen. Vielleicht entwickelt auch Deutschrap mit den Jahren neue Ausprägungen und für alternde Genre-Väter braucht es jetzt auch die Kategorie „Daddy Rap“, ähnlich dem „Dad Rock“.

Prinz Pi hat heute andere Prioritäten im Leben und sich auf aggressiven Beats zu batteln, wäre lange nicht so glaubwürdig wie dieses Album. 2017 ist „Nichts war umsonst“ die Quintessenz von Prinz Pi. Dass er teilweise lupenreinen Chart-Pop fabriziert, wirkt nicht wie ein Major-Marketing-Kalkül, sondern tatsächlich ehrlich. Im Rap geht es häufig darum, „real“ zu sein. „Real“ ist Prinz Pi absolut und das ganz egal, ob er nun von alten Fans aus Royal-Bunker-Zeiten dafür schief angesehen wird.

„Nichts war umsonst“ von Prinz Pi erscheint am 03.11.2017 bei Keine Liebe Records / Groove Attack (Beitragsbild:Pressefoto).

 

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