Joe Henry: Thrum – Album Review

Joe Henry: Thrum – Album Review

 

Ein weiteres Highlight in Joe Henrys Oeuvre

Zuletzt wandelte er mit Billy Bragg auf Country-Pfaden. Jetzt ist Joe Henry wieder in seinem eigenen Sound-Kosmos unterwegs. Es ist eine Welt voller akustischer Gitarren und Melodien in Moll, voller Geschichten über die großen Gefühle kleiner Leute. Der Überschwang ist nicht Henrys Sache, sein Zugang zur Welt ist der Zweifel, die Skepsis. Das ist mit ein Grund dafür, warum seine Musik so tief geht. „Thrum“, sein 14. Solo-Album macht da keine Ausnahme. Schon die ersten Klänge von „Climb“ tragen den Hörer genau dorthin.

Sounds & Books_Joe Henry_Thrum_CoverDoch Henry kann auch Trost spenden, seine Musik kann umarmen wie eine Tasse Grog an kühlen Herbsttagen. „Blood Of The Forgotten Song“ zum Beispiel ist trotz seiner Nostalgie ein Kraftspender. Auch „The Glorious Dead“ hat diese Qualität, die man sonst nur bei Größen wie Tom Waits, Leonard Cohen oder Townes Van Zandt findet. Toll ist auch „River Floor“, in dem Henry mit dem Piano duettiert. Unterstützt wird Henry von langjährigen Wegbegleitern wie Jay Bellerose (Schlagzeug), Levon Henry (Saxophon und alle Holzblasinstrumente), David Piltch (Kontra- und elektrischer Bass), John Smith (Gitarre, Backing Vocals), Patrick Warren (Klavier, Tasteninstrumente) sowie von einem Streichquartett und Asa Brosius an der Pedal-Steel-Gitarre.

Sie musizieren filigran und sachte und bereiten den Teppich für Henrys gewohnt bewegendes Storytelling. Seinen Höhepunkt erreicht „Thrum“ im vorletzten Song, dem scheinbar simplen „Now And Never“. Der Song entwickelt sich im Laufe seiner sechs Minuten Laufzeit zu einem Gospel, wird mit jedem weiteren Takt dringlicher. Erhaben, zeitlos und voller Würde: Joe Henry hat seinem Oeuvre mit „Thrum“ ein weiteres Highlight hinzugefügt.

„Thrum” von Joe Henry erscheint am 27. Oktober bei earmusic/Edel.

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