Courtney Barnett und Kurt Vile: Lotta Sea Lice – Album Review

Courtney Barnett und Kurt Vile: Lotta Sea Lice – Album Review

 

Ein musikalischer Dialog über Vergangenheit und Gegenwart

Courtney Barnett und Kurt Vile sind zwei bekannte Größen ihres Genres. Der musikalische Steckbrief von Courtney Barnett liest sich wie folgt: Geboren in Sidney, gründet sie 2013 mit „Milk!“ ihr erstes eigenes Label. In verschiedenen Bands als Gitarristin tätig, brachte sie 2012 die erste Solo-EP „I’ve Got a Friend Called Emily Ferris“ auf den Markt, die durchweg positive Kritiken erhielt und auf  dem „Coachella Valley Music And Arts Festival“ oder dem „Glastonbury Festival“ dem breiten Publikum vorgestellt wurde. Ihr Stil pendelt sich laut eigener Aussage irgendwo zwischen Nirvana und Patti Smith ein.

Erstes Album dann 2015 mit dem nicht ganz ernst gemeinten Titel „Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit“, das in Australien auf Platz vier der Albumcharts landete. Der US-amerikanische Musiker Kurt Vile gründete in Philadelphia die Band The War On Drugs und bewegt sich nicht minder erfolgreich seit 2008 auf Solopfaden durch den amerikanischen Musikdschungel. In Artikeln wird sein Stil oft mit dem Meister Bruce Springsteen verglichen. Wie sich das anhört, wenn Kurt Cobain Bruce Springsteen trifft ist mehr als überraschend. Denn das Album, mit neun Songs bestückt, ist ein zartes, berauschendes Werk voller Leidenschaft und gefüllt mit dem Spirit von Musikern aus längst vergangenen Tagen.

Sounds & Books_Courtney Barnett Kurt Vile_Lotta Sea Lice_Cover„Es ist ein Gespräch zweier Freunde, roh dokumentiert, mit unpolierten Songstrukturen, gefüllt mit persönlichen Lebensgeschichten, voller Energie und Humor“, so die Ankündigung zum Album. “Over Everything” ist der erste Song, der für “Lotta Sea Lice” entstand. Eine Art Testlauf also, der auch direkt die Single-Auskopplung mit einem im Retrostil gehaltenen schwarz-weiß Musikvideo von Danny Cohen wurde.  Ungewöhnlich, aber passend zur Kooperation der Entstehungsprozess zum Song “Let It Go”. Inspiriert wurde dieser durch E-Mails und SmS, die sich beide Musiker schickten. „Blue Cheese“ erinnert an frühe Songs der Blues Traveler. Rauchig kommt er daher, im Kopf das Szenario einer Westernkaschemme im Nirgendwo. Sand weht durch den löchrigen Holzboden, in der Luft der Geruch von Whiskey und Leder. Vom Blues und Country inspiriert, mit Westerngitarre und Sehnsuchsstimme, entführen einen die Musiker in ihre Welt, abseits vom Mainstream.

Courtney Barnett und Kurt Vile erzeugen auf “Lotta Sea Lice” eine Art Kammerspiel, an dem man als Zuschauer teilhaben darf. Das Konzept ist bekannt, denn ein bisschen mutet die Platte an, wie die Atmosphäre, die Johnny Cash und June Carter erzeugten, wenn sie sich in gemeinsamen Songs einen melodischen Dialog lieferten. Der Albumstil ist ähnlich, doch den Grunge-Background beider Künstler hört man immer wieder raus, mag es an der Analogie der Vornamen, oder einfach nur an ihrer Liebe zum Seattle-Sound liegen. So könnte „Peppin‘ Tom“ auch von einem frühen Hole-Unplugged-Konzert stammen und “Lotta Sea Lice” mag in Teilen etwas nostalgisch anmuten. Dennoch ist das Album ein Glanzstück, das von Hören zu Hören besser und besser wird und einen dann am Ende so richtig aus den geringelten Grunge-Socken haut.

„Lotta Sea Lice“ von Courtney Barnett und Kurt Vile erscheint am 13.10.2017 bei Marathon Artists / Matador / Milk! Recordings / Mom & Pop.

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