Robert Plant: Carry Fire – Album Review

Robert Plant: Carry Fire – Album Review

 

Filigran und betörend

Die Gerüchte einer zweiten Led Zeppelin-Reunion nach der einmaligen Show von 2007 mit John Bonhams Sohn Jason an den Drums, reißen nicht ab. Ein kryptischer Halbsatz von Robert Plant reicht, um die Musikwelt auf den Kopf zu stellen. Doch bevor die Fans Plant möglicherweise wieder als Shouter der legendären Rockband zu hören bekommen, dürfen sie zunächst sein elftes Soloalbum Carry Fire genießen. An der Aufnahme der elf neuen Songs waren wieder, wie bereits beim Vorgänger „Lullaby And… The Ceaseless Roar“ von 2014, The Sensational Space Shifters als Backing Band beteiligt, die von Seth Lakeman an Geige und Redi Hasa am Cello unterstützt wurde.

Sounds & Books_Robert-Plant-Carry-Fire-AlbumCoverIn „Bluebirds Over The Mountain“, ein Song von Ersel Hickey, der durch die Beach Boys und Ritchie Valens einst Verbreitung fand, assistiert Pretenders-Sängerin Chrissie Hynde Plant an den Vocals. Dieser übt sich wieder mal in vornehmer Zurückhaltung. Sein Gesang erneut von unendlicher Zartheit und so betörend wie die meisten der neuen Kompositionen auf Carry Fire. Die Faszination beginnt sofort mit dem Opener „The May Queen“, Plant säuselt, umrankt von einem orientalisch-fernöstlich-perkussiv-meditativen Rhythmus, der uns in einen weltumspannenden Folk wirft, den Plant in vielen Varianten offeriert. „Season’s Song“ driftet in einen sanften Psychedelic-Dream-Folk-Pop, im Titelsong „Carry Fire“ setzt Plant die arabische Note in den Vordergrund und im die Zeit anhaltenden „A Way With Words“ kehrt fast schon kontemplative Stille ein. Chamber-Folk-Pop von graziler Schönheit.

Die Zerbrechlichkeit, die den Songs zugrunde liegt und im abschließenden „Heaven Sent“ noch einen Höhepunkt erfährt, ist sogar im munteren „New World“ zu spüren. Einzig die im Desert-Blues-Rock wildernden „Bones Of Saints“ sowie „Carving Up The World“ machen hier eine handfeste Ausnahme. Aber die im Refrain an U2 erinnernde Ballade „Dance With You“ und das bezirzende und magische „Keep It Hid“ sind wiederum zart besaitet. Also, noch kein Breitwandrock mit Led Zeppelin, noch regiert das Filigrane bei Robert Plant. Und das ausgesprochen gut.

„Carry Fire“ von Robert Plant erscheint am 13.10.2017 bei Nonesuch / Warner Music (Beitragsbild: Mads Perch).

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