Jessica Lea Mayfield: Sorry Is Gone – Album Review

Jessica Lea Mayfield: Sorry Is Gone – Album Review

 

Die Verarbeitung einer schwierigen privaten Vergangenheit

Das vierte Album von Jessica Lea Mayfield ist ein persönlicher Befreiungsschlag. Lange Zeit litt die nun 28-jährige Songwriterin aus Ohio unter häuslicher Gewalt in ihrer Ehe, die sie auf Sorry Is Gone, dem Nachfolger des 2014 erschienen Longplayer Make My Head Sink verarbeitet. Wo beim Vorgänger zumeist die Musik zuerst entstand, schrieb sich Jessica Lea Mayfield für Sorry Is Gone zunächst die Seele von Leib, bevor die Kompositionen entstanden.

Bei den Aufnahmen von Sorry Is Gone in den Water Music- und Electric Lady Studios, standen Mayfield einige exzellente Musiker zur Seite, wie Seth Avett (mit dem sie bereits vor zwei Jahren eine Platte mit Coverversionen von Elliott Smith herausbrachte), der Backing Vocals und Keyboards beisteuerte, Schlagzeuger Steve Shelley (Sonic Youth, Sun Kil Moon), Bassist Emil Amos (Grails, Holy Sons), Gitarrist Cameron Deyell (Sia, Streets of Laredo) und Multiinstrumentalist Patrick Damphier (The Mynabirds). Produziert hat das Album John Agnello, der u.a. mit Kurt Vile, Dinosaur Jr. und Sonic Youth zusammen gearbeitet hat.

Sounds & Books_Jessica_Lea_Mayfield_Sorry_Is_Gone_CoverJessica Lea Mayfield betreibt auf Sorry Is Gone keine Urschreitherapie, vielmehr singt sie ihre leidvollen Erfahrungen und die Gedanken darüber fast beiläufig und introspektiv. Musikalisch begibt sie sich auf das 90er-Jahre-Terrain zwischen Indie-Rock, Pop und Grunge. Der Opener „Wish You Can See Me Now“ ist ein mächtiger Gitarrenrock-Happen, bevor Mayfield im melancholischen Indie-Pop-Titelsong „Sorry Is Gone“ alle Entschuldigungen vehement vom Tisch wischt. Schwermütig fällt auch der Abschluss mit „Too Much Terrible“ aus, nachdenklich der eindringliche und puristische Indie-Folk in „Safe 2 Connect 2“ und stolpernd und gewaltig die Wall Of Sound in „Soaked Through“.

Filigraner hingegen die Gitarrenarbeit im eingängigen „Meadows“, viel dunkler Kraft bemächtigt sich „Bum Me Out“ und „Offa My Hands“ lebt von lieblichen Jingle-Jangle-Gitarren. Jessica Lea Mayfield emanzipiert sich auf Sorry Is Gone von ihrer schwierigen privaten Vergangenheit und schenkt uns ein abwechslungsreiches Indie-Rock-Pop-Album.

„Sorry Is Gone“ von Jessica Lea Mayfield ist am 29.09.2017 bei ATO Records / PIAS erschienen (Beitragsbild: Ebru Yildiz).

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.