Neil Young: Hitchhiker – Album Review

Neil Young: Hitchhiker – Album Review

 

Entdeckungswürdiges aus dem Neil Young-Archiv

Ein neuer Blick in der Archive des kanadischen Großmeisters. Neil Young nahm die auf Hitchhiker versammelten Songs am 11. August 1976 auf. In einer Session, unterbrochen lediglich von kleinen Getränke- und Rauchpausen. Bis auf zwei bisher nicht veröffentlichte Stücke ist der Output von Hitchhiker zwar bekannt, aber auf die Form kommt es an, und die unterscheidet sich von den bekannten Fassungen. Neil Young machte die Songs seinen Fans in den nachfolgenden Jahren zugänglich.

Sounds & Books_Neil Young_Hitchhiker_CoverSo sind „Pocahontas“, „Powderfinger“ und „Ride My Llama“ auf Rust Never Sleeps (1979) erschienen, „The Old Country Waltz“ auf American Stars ’n Bars (1977), „Compaigner“ auf Decade (1977), „Human Highway“ auf Comes A Time (1978) und „Captain Kennedy“ auf Hawks & Doves (1980). Der Titelsong benötigte etwas länger und feierte erst 2010 auf Le Noise Plattenpremiere. Man ist mit dem Material also vertraut, doch die akustischen Versionen, die Neil Young live im Indigo Ranch Studio in Malibu, Kalifornien, einspielte, berühren von der ersten bis zu letzten Sekunde. Nur Produzent David Briggs lauschte damals Youngs Vortrag und bekam einen Künstler in Hochform präsentiert (John Hanlon war dann letztlich mit der Nach-Produktion beauftragt). Neil Young nur mit der akustischen Klampfe, Harp bei „Human Highway“ und am Piano beim abschließenden „The Old Country Waltz“.

Der Beginn mit „Pocahontas“ geht, wie immer bei diesem Song, schwer unter die Haut, obwohl sich Young bei der Aufnahme zeitweise scheinbar etwas weit weg vom Mikro befand. Man sieht ihn förmlich vor sich, wie er in geduckter Haltung das dunkle und verstörende, das Titelwort in die Länge ziehende „Hawaii“ vorträgt. „Give Me Strength“, der andere neue Song, lebt zwar von Youngs melancholisch-zartem Gesang, verströmt aber im Arrangement mit forcierten Gitarrenakkorden und Harp-Einsatz mehr Zuversicht als „Hawaii“. „Hitchhiker“ hat den Rock’n‘Roll zwar bereits im Blut, ist aber noch meilenweit entfernt von der Le Noise-Version. Die stärkste Performance liefert Neil Young indes mit seiner griffigen „Campaigner“-Interpretation ab. Es gibt immer etwas Neues in Neil Youngs Musik zu finden, die Songs auf Hitchhiker sind eine Entdeckungsreise definitiv wert.

„Hitchhiker“ von Neil Young erscheint am 08.09.2017 bei Reprise / Warner Music.

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