Deerhoof: Mountain Moves – Album Review

Deerhoof: Mountain Moves – Album Review

 

Musik für eine bessere Welt

„Art-Punk“ nennen manche Leute den Stil von Deerhoof. Was ein Ausdruck purer Verzweiflung ist, denn Deerhoof passen mal so in keine der gängigen Schubladen. Und auch in keine ungängige. Seit 1994 verweigert sich das Quartett um Sängerin Satomi Matsuzakis jeder Etikettierung, Planbar- und Vorhersehbarkeit. Stattdessen modifiziert diese Band ihren Sound mit jedem Album, ist ständig auf der Suche nach neuen Abenteuern und hält sich so ewig jung. Nach dem starken, aber eher konventionellen „The Magic“ aus dem letzten Jahr ist „Mountain Moves“ wieder ein kreatives Feuerwerk an Widerborstigkeit.

Sounds & Books_Deerhoof_Mountain Moves_CoverSchon der Opener „Slow Motion Detonation“ mit dem argentinischen Gaststar Juana Molina macht klar, was auf den 15 Tracks dominiert: College-Gitarren, dicke Beats, krude Melodien und bitterböse Texte. Besonders erfreulich ist, dass Deerhoof diesmal eine Art Feelgood-Album aufgenommen haben. Die Songs sind durchweg optimistisch, sie funkeln wie Sterne. Das zuckersüße „Con Sordino“, das catchy „I Will Spite Survive“, das funky „Begin Countdown“ und das mit einer mitreißend-naiven Hook ausgestattete „Kokye“ wären in einer besseren Welt echte Hits. Andererseits haben Deerhoof dann auch so schräge Sachen dabei wie das rhythmisch-verschrobene Titelstück, das psychedelische „Singalong Junk“ oder das bis zur Unkenntlichkeit deformierte Bob Marley-Cover „Small Axe“.

Es bleibt eben dabei: Deerhoof lassen sich nicht einfangen, sie machen Musik für übermorgen, für eine bessere Welt, in der Anspruch, Spaß und ein ordentlicher Schuss Wahnsinn nicht im Wiederspruch zueinander stehen. Eine ordentliche Gästeliste – unter anderem Jenn Wasner von Wye Oak, Stereolabs Laetitia Sadier, Awkwafina, Juana Molina und Matana Roberts – geben dieser tollen Platte weitere Farbtupfer. Deerhoof ist ein weiteres Puzzleteil einer durch und durch bemerkenswerten Discography gelungen. „Mountain Moves“ kann in der Tat Berge versetzen. Auch wenn die Welt davon mal wieder nur wenig Notiz nehmen wird.

„Mountain Moves“ von Deerhoof erscheint am 08.09.2017 bei Joyful Noise Recordings / Cargo.

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