Big Thief: Capacity – Album Review

Big Thief: Capacity – Album Review

 

Der nächste Entwicklungsschritt des Indie-Folk-Rock-Quartetts aus Brooklyn

Big Thief ist eine amerikanische Indie-Folk-Rock-Band, die sich letztes Jahr mit dem Debütalbum Masterpiece erste Meriten verdiente. Das aus Brooklyn stammende Quartett fand darauf eine gelungene Balance aus zerbrechlichen Folkarrangements sowie gut austarierten Rock-Attacken und mit dem Titelsong „Masterpiece“ fand sich noch der eine, ansteckende und einprägsame Ohrwurm. Den eingeschlagenen Pfad von Masterpiece zwischen Folk, Rock und Indie gehen Big Thief auf Capacity konsequent weiter, wachsen gleichsam mit ihren Aufgaben und setzen mit noch ausgefeilteren Tracks einen drauf. „There is a darker darkness and a lighter light on this album“, urteilt Adrianne Lenker, Sängerin und Gitarristin der Formation über Capacity.

Zusammen mit Gitarrist Buck Meek, Bassist Max Oleartchik und Schlagzeuger James Krivchenia spielte Lenker elf neue Songs für den zweiten Longplayer ein, der mit dem sehr fragilen Indie-Folk von „Pretty Things“ beginnt. Eine akustische Gitarre, dazu Lenkers dunkle, traurige Stimme und schon hat uns der Opener mit seiner Intensität, wie wir sie von Aldous Harding kennen, um den Finger gewickelt. Wie schön die von Lenker angesprochenen Albumparameter Licht und Dunkelheit in einem einzigen Song Hand in Hand gehen, zeigt „Mythological Beauty“. Aus der Nacht schleicht sich der Song in den Tag, Lenkers Stimme noch verträumt-verschlafen, während die Gitarrenlicks bereits den Sonnenaufgang andeuten. Aus der sinisteren Umgebung erwacht dann auch Adrianne Lenker, aber der Tag hat noch lange nicht angefangen.

Capacity ist ein in sich stimmiges Werk, dessen Einzelteile ineinander greifen und qualitativ kaum voneinander abfallen. Aggressivere Gitarrenparts in „Shark Smile“ oder „Capacity“ werden dem schönen Wohlklang überführt, beim Ersten in einen vergleichsweise flotten Indie-Pop, beim Zweiten in eine langsame, majestätische Indie-Rock-Hymne. Und in „Watering“ übersingt Lenker in anmutiger Stimmlage aufkommende Indie-Rock-Auswüchse. Ganz dem intimen Indie-Folk verschreibt sich „Coma“, verspielt, mit feinsinnigen Songwriter-Indie-Popmomenten versehen sind „Great White Shark“, „Objects“ und „Haley“, während „Mary“ als berührende Pianoballade überzeugt. Dem Indie-Folk-Rock-Liebreiz des abschließenden „Black Diamonds“ kann man sich dann nicht mehr ernsthaft entziehen. Capacity ist das Zweitwerk, mit dem Big Thief die nächste Entwicklungsstufe erreichen.

„Capacity“ von Big Thief ist am 09.06.2017 bei Saddle Creek / Cargo Records erschienen.

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