Jon Tabakin: Jon Tabakin – Album Review

Jon Tabakin: Jon Tabakin – Album Review

 

Neuaufgelegte Sixties-Pop-Euphorie und Westküsten-Wehmut von Jon Tabakin

„Lost, Found & Great: Obscure Pop Gems Of The Past“ nennt das Hamburger Label Tapete Records seine in unregelmäßigen Abständen erscheinende Reihe mit vergessenen Platten der Musikgeschichte. Nach zwei Werken von Slapp Happy, folgt nun mit dem selbstbetitelten Album des kalifornischen Songwriters Jon Tabakin dessen erstes und leider auch einziges musikalischen Lebenszeichen. Jon Tabakin spielte als Teenager in lokalen Bands, hatte mit 19 Jahren einen Motorradunfall und verlegte sein Augenmerk anschließend auf das Komponieren und Texten.

Mit einem Vierspurbandgerät nahm er zu Hause Stimme, Gitarre und Keyboards auf, fügte im Studio Schlagzeug und Bass hinzu und veröffentlichte die Songs unter dem Labelnamen Larrow Records.  Die Platte erschien 1975 und floppte gewaltig, bis auf eine paar in näherer Umgebung verkaufte Kopien nahm sonst keiner Notiz von Jon Tabakin. So machte er weiter mit klassischem Klavierspiel und arbeitete später als Psychoanalytiker. Wie so häufig stellt sich die Frage, weshalb das Album keine Abnehmer fand, trifft die Musik doch den damaligen Zeitgeist und das Album wirft einige exzellente Songs ab.

In feinster, verträumt-sehnsüchtiger Beatles-Manier erklingt „Where Are The Angels?“, während  das vor Dringlichkeit berstende „Let’s Do It Again“ auf jedem Paul McCartney-Album der 70er-Jahre seinen Platz gefunden hätte. In „It’s The Little Things“ spart Tabakin nicht mit possierlichem Gilbert O’Sullivan-Liebreiz, gibt in „I Never Realized“ den melancholischen Folk-Barden, leiht sich die Unbeschwertheit des Bossa Nova für „Your Eyes“ und einen fröhlichen Popübermut für „It’s Never Too Late To Smile“. Jon Tabakin paart Sixties-Pop-Euphorie mit der Westküsten-Wehmut und das funktioniert ganz hervorragend. Es wäre wünschenswert, fände das Album 42 Jahre nach Erstveröffentlichung nun ein paar Abnehmer mehr.

„Jon Tabakin“ ist am 23.06.2017 bei Tapete Records erschienen.

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