BNQT: Volume 1. – Albumreview

BNQT: Volume 1. – Albumreview

Eine Rock-Pop-Supergroup um Midlake-Sänger Eric Pulido, die es in sich hat

Es ist nicht nur der Titel des Debütalbums von BNQT, der an die Traveling Wilburys denken lässt. Ähnlich wie die einstige Supergroup mit Bob Dylan, George Harrison, Roy Orbison, Tom Petty und Jeff Lynne handelt es sich bei BNQT (ausgesprochen Banquet) um einen Zusammenschluss bereits bekannter Musiker. Zu dem Weltruhm der einzelnen Traveling Wilburys-Mitglieder haben es Eric Pulido und seine Midlake-Kollegen McKenzie Smith, Joey McLellan und Jesse Chandler sowie Travis-Vordenker Fran Healey, Franz Ferdinand-Frontmann Alex Kapranos, Band Of Horses-Sänger Ben Bridwell und Grandaddy-Mastermind Jason Lytle zwar (noch) nicht gebracht, aber mit ihren jeweiligen Formationen beeindruckendes musikalisches Material hinterlassen.

Volume 1. von BNQT ist von Eric Pulido im hauseigenen Studio in Denton, Texas, aufgenommen und produziert worden, wo der Midlake-Sänger die Ideen der beteiligten Musiker unter der Mithilfe seiner fast kompletten Band zu fertigen Songs wandelte. Es sind großartige Ausflüge in den Westcoast-Sound daraus geworden. Der Pulido-Track „Restart“ ist zweifellos mit der beste Midlake-Song seit Songwriter Tim Smith die Gruppe verlassen hat. Weniger Space-Rock als zuletzt auf Antiphon, stattdessen schnurrende Gitarren und das Händchen für die feine Melodie. Das verlässt ihn auch nicht beim gemeinsam mit Bridwell und Kapranos komponierten „Real Love“, dessen Schlagzeugbeginn zwar auf Grandaddy verweist, aber die Harmonie-Gesänge Kaliforniens Sonne evozieren, die Orgel jubilierend, die Bläser fanfarenartig.

Eine gediegene und souveräne Seventies-Westküstenatmosphäre atmet auch Bridwells „Unlikely Force“, während ausgerechnet Healeys „L.A. On My Mind“ den Rock-Soul der Rolling Stones aus den ganz frühen 70ern geradezu schwitzt. Den orchestralen Überbau stülpt Pulido Lytles „Failing At Feeling“ über und so entsteht musikalisches Breitwandkino. Nie war Jason Lytle den Beatles näher als im sehnsuchtsvollen „100 Million Miles“, mit Streichen wehmütig vollendet. Orchesterparts sind Eric Pulido wichtig, denn auch Kapranos Rock-Noir-Song „Hey Banana“ wertet er damit auf dramatische Weise auf. BNQT zeigen, dass Super-Groups funktionieren und eine Zukunft haben. Der erste Gang beim Bankett mundete vorzüglich, der zweite möge bald gereicht werden.

„Volume 1.“ von BNQT ist am 28.04.2017 bei Bella Union / PIAS Cooperative erschienen.

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