Father John Misty: Pure Comedy – Album Review

Father John Misty: Pure Comedy – Album Review

Endzeitkino mit Father John Misty auf Pure Comedy

„Total Entertainment Forever“ verspricht Father John Misty auf seinem dritten Album Pure Comedy. Allerdings ist Josh Tilmann, der ehemalige Fleet Foxes-Drummer, der sich Father John Misty nennt, ein ausgesprochener Zyniker vor dem Herrn, so dass wir uns bei ihm im Sinne Neil Postmans mehr zu Tode amüsieren, als dass wir groß was zu lachen bekämen. Für Father John Misty ist die Welt längst auf den Hund gekommen, dem Untergang geweiht, da hilft allerhöchstens noch die Flucht aus Los Angeles. Geschlagene 13 Minuten dauert die Ballade „Leaving L.A.“, Akustikgitarre und elend traurige Streicher begleiten Father John Mistys ewig langen Text über das Ende der Welt, wie wir sie kannten.

Seinen zivilisatorischen Spott schüttete Misty bereits im Song „Bored In The USA“ seines Vorgängerwerks I Love You, Honeybear kübelweise aus. Diesen Ansatz verfolgt er auf Pure Comedy konsequent weiter. Der ganzen menschlichen Komödie liegt die Tragödie zu Grunde, das weiß Father John Misty und so scheint hinter seiner Ironie immer auch der Romantiker durch, schließlich benötigen Künstler ebenfalls einen Lebenshalt, wenn schon alles um sie herum den Bach runtergeht. Mit Pure Comedy findet Father John  Misty endgültig den musikalischen Platz zwischen Elton John und Rufus Wainwright. Grandezza, Drama und opulente Auswüchse („Pure Comedy“, „Total Entertainment Forever“, „Things That Would Have Been Helpful To Know Before The Revolution“) stehen Seite an Seite mit edlen Balladen („Ballad Of The Dying Man“, „Birdie“, „When The God Of Love Returns There’ll Be Hell To Pay“).

Die Arrangements leben vom charmanten Seventies-Flair und suhlen sich immer wieder in nostalgisch-sentimentaler Traurigkeit („A Bigger Paper Bag“, „Smoochie“). Father John Misty bietet mit Pure Comedy wieder großes Kino und findet letztendlich einen magischen Berg, auf dem er alt werden kann („So I’m Growing Old On Magic Mountain“), die für ihn wahrscheinlich einzige Alternative zum menschlichen Endzeittreiben seiner Artgenossen. Die anderen machen weiter wie bisher in der selbstgebastelten Hölle auf Erden und noch ein paar andere freuen sich über das neue Album von Father John Misty.

„Pure Comedy“ von Father John Misty erscheint am 07.04.2017 bei Bella Union / PIAS Cooperative.

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