Die Sterne live in Hamburg – Konzertreview

Die Sterne live in Hamburg – Konzertreview

25 Jahre Die Sterne und keiner hat sie ruiniert

Es ist ein „Scheiß-Abend“. Findet jedenfalls Sterne-Sänger- und Gitarrist Frank Spilker. Ein total „professioneller Rockabend, nichts geht schief, das gefällt mir nicht“, sagt er nach knapp über einer Stunde, direkt vor der ersten Zugabe „Anfang verpasst“. Selbstredend mit einem dicken Augenzwinkern, denn das Abschlusskonzert der Sterne-Tour 02.03.2017 im picke-packe vollen Hamburger Club Uebel & Gefährlich entpuppt sich als alles andere, nur nicht als ein „Scheiß-Abend“. Wieso auch? Frank Spilker, Bassist Thomas Wenzel, Schlagzeuger Christoph Leich und Keyboarderin Dyan Valdes sind locker drauf und feiern sich selbst. Feiern 25 Jahre Die Sterne vor heimatlichem Publikum.

Zum Band-Jubiläum ließen sie singen. Mach‘s Besser: 25 Jahre Die Sterne heißt die im Februar veröffentlichte Compilation, auf der andere deutsche Bands und Solokünstler (von Nicolas Sturm über Isolation Berlin bis hin zu Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen) die Songs der Sterne coverten. Fast alle der darauf erschienen Stücke sind an diesem Abend auf der Setlist der 1992 gegründeten Band zu finden. Die Originale also, vom Opener „Scheiß auf deutsche Texte“ bis zum Finale furioso, „Was hat dich bloß so ruiniert“. Wem Mitte der 90er Tocotronic zu nerdig und Blumfeld zu abgehoben waren, der griff zielsicher zu den Platten der Sterne und fand den goldenen Mittelweg. War der „Universal Tellerwäscher“ 1994 noch ein Geheimtipp, ging es zwei Jahre später mit dem dritten Album Posen und dem ewigen Sterne-Wiedererkennungslied „Was hat dich bloß so ruiniert“ an die Speerspitze der sogenannten Hamburger Schule.

Auf der Jubiläumstour spielen die Sterne Songs von fast allen ihren Alben, eine Art „Best-Of“-Setlist, die mit unverschämt groovigen Indie-Disco-Krachern („Nach fest kommt lose“, „Deine Pläne“, „Depressionen aus der Hölle“, „Convenience Shop“), von Frank Spilker als die „Schwabing-Phase“ der Band bezeichnet, aufwartet sowie mit melodiösem Indie-Pop („In diesem Sinn“) und angriffslustigem Schrammelrock („Die Interessanten“) punkten kann. Die Sterne besinnen sich auf ihre Bodenhaftigkeit, die große Bühne, das Posen überlassen sie anderen, gelegentliche Animationsversuche von Frank Spilker gehören zum Geschäft, halten sich aber in rudimentären Grenzen.

Aber das reicht auch völlig, um mit den Sternen und ihren „Hits“ wie „Aber andererseits“, „Stell die Verbindung her“ und „Risikobiographie“ eine gute Party zu haben. Ganz zum Schluss, während der letzten Zugabe „Bis neun bist du O.K.“ dürfen die Fans neunmal (da ist Frank Spilker unbestechlich und gnadenlos) den Refrain ohne Bandunterstützung singen. Neunmal „Wir finden schon nach Hause, so oder so/ Bis neun bis du okay, bei zehn erst k.o.“, schön laut, als Ständchen zum Jubiläum. Wahnsinn, 25 Jahre Die Sterne und keiner hat sie ruiniert.

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