Maria Taylor live in Hamburg – Konzertreview

Maria Taylor live in Hamburg – Konzertreview

Maria Taylors Familienidylle in Hamburg

Beim letzten Song des regulären Sets, als sich Maria Taylor allein auf der E-Gitarre zum sanften „Pretty Scars“ begleitet, hört man aus dem Backstagebereich des sich mitten auf der Reeperbahn befindlichen Clubs Häkken die Stimme eines ihrer beiden kleinen Kinder. Die familiäre Atmosphäre, denn zum ersten Mal sind Nachwuchs und Ehemann mit auf Europa-Tour, überträgt sich auf das einstündige Konzert der 40-jährigen, aus Birmingham, Alabama, stammenden Maria Taylor am 17.02.2017 in Hamburg. Am Bass begleitet sie beim Auftaktkonzert der diesjährigen Deutschlandtour ihr Bruder Macey Taylor und Gatte Ryan Dwyer steigt während des Auftritts für ein sehnsüchtiges Duett zu „Happenstance“ mit auf die Bühne.

Als Gitarrist begleitete Dwyer Maria Taylors Schlagzeuger Louis Schefano, der als Support einige schöne Stücke seines soeben veröffentlichten Songwriter-Albums Opposite Side Of The World spielte. Besonders in Erinnerung dieses Gigs bleibt die Single „Come To Think“, bei der Schefano einem Conor Oberst schon sehr nahe kommt. Das Familienglück scheint Maria Taylor sichtlich zu behagen. Die als Mitglied von Azure Ray bekannt gewordene Sängerin und Komponistin wirkt entspannt und ausgeglichen, die Band, die durch den Gitarristen Marko Kurtović komplettiert wird, ist im Flow, und gemeinsam spielen sie sich gekonnt durch 14 Lieder aus Taylors Solo-Repertoire. Fünf davon sind vom aktuellen und bei Sounds & Books besprochenen Album In The Next Life, darunter der Opener „Home“ (live ohne Piano, stattdessen mit Gitarrenbegleitung), das bereits erwähnte „Pretty Scars“ und natürlich die Single „If Only“, bei der Taylors Gesang die das Publikum mit Lieblichkeit umgarnt und durch Schefanos Backing Vocals Unterstützung erfährt.

Der setzt wenig später als Drummer starke Akzente beim psychedelic-bluesigen „Free Song“, während „Just Once“ im Zugabenteil von Maria Taylor und Band mächtig weggerockt wird. Zu den Höhepunkten des Konzertes zählen der Indie-Dream-Folk-Rock-Song „Birmingham 1982“ sowie besagtes „Happenstance“, das die Umstände für Maria Taylors Umzug nach Los Angeles thematisiert. Doch auch das zarte, melancholisch-wehmütige „My Favourite Love“ oder der countryeske Folk-Rock-Twang von „Up All Night“ sind über allen Zweifeln erhaben. Maria Taylor präsentiert im Häkken eine klug gewählte Song-Auswahl ihrer Solo-Alben, die auf den Deutschland-Konzerten in den nächsten Tagen von hoffentlich genauso vielen Fans goutiert wird wie in Hamburg.

 

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