Funny van Dannen live in Hamburg – Konzertreview

Funny van Dannen live in Hamburg – Konzertreview

Zweieinhalb Stunden Funny van Dannen pur am 26.01.2017 in der Hamburger Fabrik

Text und Fotos von Gérard Otremba

Eigentlich sollte Funny van Dannen in der Elbphilharmonie auftreten. Er war auch da, aber es war nicht sein Ding. Der Sound sei scheiße gewesen, so der Berliner Songwriter und außerdem sei er ein Arbeiterkind, also spiele er doch wieder in der Fabrik auf.  Besser das. Denn kann man in der Elbphilharmonie wirklich „Menschenverachtende Untergrundmusik“ goutieren? Obwohl, immerhin gastieren in Hamburgs neuem Wahrzeichen die Einstürzenden Neubauten. Aber nein, in der Fabrik ist es viel heimeliger. Dort ist Funny van Dannen wesentlich ausgeglichener, holt seine „Eurythmieschuhe“ raus und bewegt sich sehr elegant. Der „Arbeiterkinderdenkmal“-Song passt denn auch viel besser und was sollen die Gäste in der Elbphilharmonie schon mit einer „Nebelmaschine“ anfangen?

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Funny van Dannen und die Fabrik, das macht schon Sinn. Hier muss er den „Kapitalismus“ nicht lieben lernen, hier darf er den Tod von Fidel Castro, Leonard Cohen und David Bowie betrauern und sich fragen, wie lange er noch den Song „Nana Mouskuri“ spielen kann. Im Hause van Dannen geht scheinbar manchmal etwas ruppig zu. Da wird der bei den Hausaufgaben gestrenge Herr Papa schon mal als „Gegenteil von Demokratie“ bezeichnet. Aber Funny van Dannen rächt sich auf seine liebevolle Weise und dichtet die Zeile „irgendwann sagen die Eltern fuck you“. Der 58-jährige Liedermacher gehört seit nunmehr knapp über zwanzig Jahren und vierzehn Alben zu den wichtigsten Vertretern deutscher Sangeskunst zwischen unendlicher Melancholie und grandiosem Humor. Aber es sind nicht nur die Klassiker, die das zweieinhalbstündige Konzert mit 47 Songs zu einem großen Erlebnis werden lassen. Natürlich sind „Ich bin nicht mehr jung“, „Schilddrüsenunterfunktion“, „Lesbische Schwarze Behinderte“, „Der Fatalist“, „Posex & Poesie“, „Herzscheiße“ und „Gwendolyn Kucharsky“ geradezu unverzichtbare Auftritts-Nummern.

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Doch begeistern „Billige Räusche“ (vor dem van Dannen noch die Silberfische aus seiner Mundharmonika entfernen muss), „Traurige Lieder“, „Falscher Mann“, „Räumliche Distanz“ und „Nuttenauto“ nicht minder. Diverse Songs vom aktuellen Album come on („Schön singen“, „Der Albtraum“, „Latente Homosexualität“ „Lymphe“) tragen zur weiteren Erheiterung des Publikums bei. Bei einem Funny van Dannen-Konzert kommt man immer auf seine Kosten und wird gar prächtig mit Sinn und Verstand unterhalten. Einziges Manko ist das Fehlen von Stücken seines vorletzten und überragenden Werkes Geile Welt. Aber vielleicht beim nächsten Gig in Hamburg. Und der findet aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in der Elbphilharmonie, sondern wieder in der Fabrik statt.

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Weitere Fotos sind in der Galerie auf der Startseite von Sounds & Books zu sehen.

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