Rhonda: Wire – Album Review

Rhonda: Wire – Album Review

Mehr Drama und Opulenz im Vintage-Soul der hanseatischen Band Rhonda

von Gérard Otremba

Sie hätten den schönen Luxus gehabt, genauer zu überlegen, wo man eigentlich hin wolle. Und dass man als Band viele weitere Seiten und Nuancen trage, als nur den Wunsch, kleine schmutzige Soulsongs zu machen, sagt Sängerin Milo Milone zur Entstehung des zweiten Rhonda-Albums Wire. Nun waren bereits auf dem Rhonda-Debüt Raw Love, das im Sommer 2014 erschienen ist, nicht nur „kleine schmutzige Soulsongs“ wie „Sound Of Soda“, „Here We Go Again“ oder „Here Lies“ zu hören, sondern nach Champagner schmeckende Soul-Pop-Perlen wie „My Thing“, „That’s How I Roll“ und „Camera“. Die damals in „Camera“ begonnene dunkle und unergründliche Soul-Seite verstärken Milo Milone, Gitarrist Ben Schadow, Bassist Jan Fabricius, Offer Stock an der Orgel und Gunnar Riedel am Schlagzeug durch den häufigen Einsatz des Babelsberger Filmorchesters.

So entsteht auf Wire eine Soul-Noir-Atmosphäre, die an melancholisch-düstere Soundtracks erinnert. Der Opener „In My Eyes“ könnte in Quentin Tarantino-Filmen genauso wirken wie in einigen cineastischen Werken eines David Lynch oder in einem James Bond-Streifen. An eleganter Melodramatik fehlt es nicht. Großes Kino bietet das Hamburg-Bremer Quintett auch in „Off The Track“, diesmal jedoch mit einem unwiderstehlichen Tanz-Groove unterlegt, von der Band vorwärtsgepeitscht und vom Orchester in himmlische Sphären getrieben. Diese sofort ins Ohr und in die Beine springende Catchyness liefern Rhonda noch mit dem The Nerves-Cover „When You Find Out“, der Rest von Wire ist den von Milo Milone beschriebenen „weiteren Seiten und Nuancen“ der Band vorbehalten.

Wie beispielsweise dem finsteren, hochdramatischen und opulenten „Offer“. Oder dem perkussiv-stampfenden „Not My Goal“, in den Milone all ihre Sangeskraft wirft. Herzzerreißend, anmutig dann der Schmerz und die Sehnsucht in „Don’t Boy“, während „Lost My Man“ Amy Winehouse sucht und findet. Mit viel Groove gesegnet ist auch „Something Good“, flirtet aber vehement mit Funk-Einflüssen. „Paws“ hingegen suhlt sich im überbordenden Bombast mit ganz großen Leinwand-Gefühlen. Betont getragen, dem Bar-Soul mit Streicherarrangement zuzuordnen ist das traurige „Doomsday“ und das abschließende, ähnlich ruhige „Sleep Oh Sleep“ lugt mit Gospel-Charme um die Ecke. Mehr Drama und mehr Opulenz also auf dem neuen Rhonda-Longplayer Wire. Neue Seiten und mehr Nuancen, so bleibt der Vintage-Soul von Rhonda spannend.

„Wire“ von Rhonda erscheint am 27.01.2017 bei PIAS.

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