Norma Jean Martine: Only In My Mind – Album Review

Norma Jean Martine: Only In My Mind – Album Review

Auf dem Weg in die erste Reihe

von Gérard Otremba

Norma Jean Martine wuchs in der Kleinstadt Middletown, circa eine Stunde nördlich von New York City entfernt auf, bevor sie 2011 nach London zog. Der Karriere hat es nicht geschadet. Mit ihrer EP Animals deutete sie bereits ihr Potential als Sängerin und Songwriterin an, darüber hinaus war Norma Jean Martine noch das Gesicht einer großen Marketing-Kampagne eines bekannten Designers und coverte hierfür George Michaels „Freedom“. Sie spielte im Vorprogramm von Stevie Wonder und Tom Odell, trat beim Montreaux Jazz Festival auf und auch das Publikum des Hamburger Reeperbahn Festivals war von ihrem Konzert im Nochtspeicher begeistert. Martines Debütalbum Only In My Mind ist eine hervorragende Mixtur aus Soul, Pop-Rock, R&B und klassischer Singer-Songwriter-Kunst. Norma Jean Martine ist die geerdete Ausgabe von Adele, ohne auf die große Geste zu verzichten.

Denn mitreißende Melodien bietet die 25-jährige Sängerin, Pianistin und Gitarristin auf Only In My Mind zur Genüge. Da ist beispielsweise der euphorische Eröffnungssong „Sons And Daughters“, bei dem Martine mit ihrer Band alles auffährt, was eine von himmlischen Hooks dominierte, ergreifende und pathetische Weltumarmungshymne benötigt, Streicherparts inklusive. Martine singt wie ein verletzter Engel, zwischen entrückter Zartheit und überschwänglicher Energie changierend. Eine Ouvertüre, die es in sich hat. Es ist schön zu hören, wie Norma Jean Martine gekonnt zwischen den Stilen springt. „Still In Love with You“ ist allerfeinster Sixties-Girl-Soul-Pop, schmachtend, romantisch, catchy, edel und verführeisch. „Animals“ der draufgängerische Power-Pop-Rock-Song, „No Gold“ die Soul-Variante mit Sixties- und Seventies-Flair, auf die die traurige, von Streichern veredelte Ballade „I Will Never Love Again“ folgt, die in allerschönster Form an Lana Del Rey erinnert.

Doch neben den offensichtlichen Highlights auf Only In My Mind, zu denen auch der anschmiegsame Songwriter-Pop von „I Want You To Want Me“ gehört, lohnt sich auch der Blick in die zweite Reihe. Denn dort versteckt sich an neunter Stelle die sehnsüchtige und berührende Piano-Streicher-Ballade „Hang My Hat“, die man in vollen Zügen genießen und goutieren sollte. Der Abschluss ist dem zusammen mit Burt Bacharach komponierten „I‘m Still Here“ vorbehalten. Nur Martines Stimme, ein Piano und ein Cello, große Gefühle auf kleinem Raum, Norah Jones wäre stolz auf diesen Song. Wahrscheinlich auch auf das ganze Album. Stolz kann Norma Jean Martine auf Only In My Mind definitiv sein, katapultiert sie sich mit ihrem Debütalbum doch sofort in die erste Reihe der zeitgenössischen Sangeskünstlerinnen.

„Only In My Mind“ von Norma Jean Martine erscheint am 20.01.2017 bei Vertigo / Capitol / Universal Music.

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