Yalta Club: Hybris – Album Review

Yalta Club: Hybris – Album Review

Mit berauschendem und melancholischem Indie-Pop gegen die Resignation

von Gérard Otremba

Die Band Yalta Club war bereits im März letzten Jahres live in Deutschland unterwegs und stellte den Fans ihre damals noch nicht veröffentlichte neuen Songs vor. Nun erblicken einige von ihnen auf Hybris, dem zweiten Album der Gruppe, das Licht der Welt. Die Formation um die deutsche Keyboarderin Corina Krome, die einst zu Studienzwecken von Lüneburg nach Paris zog und beim Joggen einheimische Musiker kennen lernte und mit denen sie nun als Yalta Club auftritt, hat als Antwort auf die Paris-Attentate den Song „Love“ geschrieben, mit dem das Album startet. Hier fackelt die Formation ein überbordendes, polyrhythmisches Feuerwerk ab und mag die Botschaft noch so plakativ-hippiesk anmuten („Why can’t we just love each other“), so ist sie eine gute Ausdrucksform, um dem Attentats-Wahnsinn da draußen musikalisch zu begegnen. Außerdem kann man auf diesen ausgelassenen, pulsierenden und berauschenden Indie-Pop ungemein gut tanzen.

Mit einem nicht minder euphorischen und überwältigenden Refrain wartet die neue Single „Stars“ auf. Das Sextett aus Paris setzt sich auf Hybris mit der Ohnmacht und Resignation der Welt auseinander und setzt ihr den Optimismus entgegen. Der Pop von Yalta Club greift immer wieder auf weltmusikalische Wurzeln, wie bei „Of Mice And Gods“ zurück, die das Völkerverständnis über Grenzen, Nationalitäten und Ethnien hinweg verdeutlichen. Manchmal basieren die Kompositionen auf einem sanften Synthie-Pop („Late“), manchmal entzücken sie mit zartem Indie-Folk-Pop („Holy Kind“) und manchmal türmen sie sich zum Arcade Fire-Pathos auf („Exile“). Und manchmal gibt es alles auf einmal, wie im pittoresk-hymnischen „New Day“. Mit der dramatischen Ballade „Something To Remember“ endet Hybris, ein Album, mit dem Yalta Club den Zeitgeist sehr gut einfangen und ein Statement gegen die Verrohung der Gesellschaft setzen.

„Hybris“ von Yalta Club erscheint am 13.01.2017 bei Radicalis / Believe Digital / Soulfood.

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