The Burning Hell live in Hamburg – Konzertreview

The Burning Hell live in Hamburg – Konzertreview

Die Kanadier untermauern ihre Ausnahmestellung im Indie-Folk-Rock

Text und Fotos von Gérard Otremba

Wer sein neues, ganz ausgezeichnetes und bei Sounds & Books bereits besprochenes Album mit dem Titel Public Library versieht und die einzelnen Songs einem literarischen Genre zuordnet, der hat viel zu erzählen. Bevor jedoch Mathias Kom, Sänger, Gitarrist und nach eigenen Angaben auch der Comedian in seiner Band, seine in Kurzgeschichten verpackten Songtexte am 17.12.2016 im Hamburger Kellerclub Kleiner Donner vorträgt, darf zunächst The Burning Hell-Bassist Nick Ferrio in Trioformation sein Können als Gitarrist und Songwriter beweisen. Ferrio hat unlängst sein neues Album Among The Coyotes And Birdsongs herausgebracht und präsentiert daraus einige Stücke, die stilistisch dem Folk-Rock der Byrds und Neil Young genauso nahe stehen, wie in einigen Fällen dem Gitarren-Indie-Pop von The Smiths. Auf jeden Fall sind sie sehr melodieverliebt, die Songs von Nick Ferrio.

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Das kanadische Quintett The Burning Hell beginnt nach einer angenehm kurzen Pause bereits deutlich vor 21 Uhr und stürzt sich mit Vehemenz in den Eröffnungssong „The Stranger“, einer „Murder-Mystery“-Story, deren Text von Mathias Kom in einem atemberaubenden Tempo runtergerasselt wird. Kom hat eine dunkle und sonore Stimme, die in ihrem Sprechgesangsstil an Lou Reed erinnert, der häufig ebenfalls Shortstorys in seine Songs verpackte. Mit „Give Up“ spielen Kom, Bassist Nick Ferrio, Gitarrist Darren Browne, Schlagzeuger Jake Nicoll und Sängerin, Saxophonistin und Klarinettistin Ariel Sharratt einen weiteren Song vom aktuellen Album Public Library, bevor mit „Nostalgia“ das erste ältere Stück auf der Setlist auftaucht. Schließlich wolle man auch ein paar „Oldies“ spielen, lässt Kom die Konzertbesucher wissen.

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Der Burning Hell-Frontmann lässt immer wieder ein paar kleine Anekdoten zwischen die Songs einfließen, und so wissen nun alle, weshalb Koms Vorstellung von Ariel Sharratt als „Master of Disaster“ auf Bruce Springsteen zurückzuführen ist und dass seine erste gekaufte Platte eine der, ebenfalls aus Kanada stammenden, Band Man Without Hats war (das ist die Band mit dem 80er-Hit „Safety Dance“). Der gleichnamige Song „Man Without Hats“ fegt im Galopptempo über das Publikum hinweg. Die energetische, knapp über eine Stunde währende Spielzeit von The Burning Hell verfliegt viel zu schnell, hat aber mit dem harmonischen „Wallflowers“, in dem „Aaah“-Chöre grenzenlos jubilieren und „Fuck The Government, I Love You“ zwei absolute Highlights anzubieten. Das Duett von Mathias Kom und Ariel Sharratt, das auf überaus vergnügliche Weise das beiderseitige Kennenlernen auf der Party eines vegetarischen Freundes erzählt, wird als großer Stimmenchor eingefangen, dürfen doch alle Fans den Refrain voller Inbrunst mitsingen. Den Song „When The Worlds End“ widmet Mathias Kom dem Jahr 2016, das wahrlich kein gutes war. Aber mit dem Auftritt von The Burning Hell klingt es konzerttechnisch formidabel aus. Im Indie-Folk-Rock haben sich die Kanadier längst eine exponierte Stellung erspielt und untermauern diesen Status mit ihrem Auftritt in Hamburg.

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