Zum Tod von Leonard Cohen – Ein Nachruf

Zum Tod von Leonard Cohen – Ein Nachruf

Der legendäre kanadische Songwriter Leonard Cohen stirbt im Alter von 82 Jahren

von Gérard Otremba (Beitragsbild: Cover des Buches „So Long Leonard“ von Christof Graf, Palmyra Verlag)

Nach David Bowie und Prince ist mit Leonard Cohen leider der nächste weltberühmte Musiker im Jahre 2016 von uns gegangen. Der kanadische Songwriter verstarb im Alter von 82 Jahren. Ähnlich wie David Bowie mit Blackstar veröffentlichte Leonard Cohen noch kurz vor seinem Tod mit You Want It Darker ein letztes Album, und beide Platten lassen sich als Todesprophezeiung interpretieren. Der 1934 in Montreal geborene Leonard Cohen machte zunächst als Lyriker und Romancier von sich reden, bevor er im vergleichsweise späten Alter von 33 Jahren mit Songs Of Leonard Cohen seine erste LP veröffentlichte.

Man schrieb das Jahr 1967, die Welt war im Umbruch, die Hippie-Bewegung feierte in Monterey ein erstes großes Musik-Festival, Psychedelic-Pop- und Rock war schwer angesagt. Leonard Cohen wählte einen anderen Weg, einen impressionistischen und introspektiven. Nach dem Hören von „Suzanne“, „Sisters Of Mercy“ und „So Long, Marianne“ durften auch erwachsenen Männer endlich zu ihren Gefühlen stehen und öffentlich weinen. Cohen war von Beginn an ein Poet in Wort und Musik, seine ersten drei Alben (Songs Of Leonard Cohen, Songs From A Room, Songs Of Love And Hate) gehören zu den besten Songwriter-Alben aller Zeiten. Stücke wie „Bird On The Wire“, „The Partisan“, „Chelsea Hotel #2“, „Famous Blue Raincoat“, „Joan Of Arc“  und „Hallelujah“ (und viele mehr) gehören längst zum Liedermacher-Kanon, die melancholisch-depressive Aura wie ein Schutzschild vor sich herhaltend.

Nach dem Album The Future von 1992 zog sich Leonard Cohen für einige Jahre in ein buddhistisches Kloster in der Nähe von Los Angeles zurück, bevor er 2001 mit Ten New Songs ein Comeback als Musiker gab und mit den Alben Dear Heather, Old Ideas und Popular Problems ein starkes Alterswerk hinterließ. Cohens Stimme, seine Texte und die musikalische Umsetzung sind immer von betörender Natur gewesen. Von dieser brüchigen Schönheit konnte ich mich im Jahre 2008 bei einem Konzert in Hamburg endlich selbst überzeugen. Die Würde, die Weisheit und die tiefe Dankbarkeit, die Leonard Cohen an diesem Abend ausstrahlte, sorgten für eine emotionale Achterbahnfahrt, die in dankbarer Verehrung seitens des Publikums endete. Mit Leonard Cohen verliert die irdische Welt einen weiteren herausragenden Künstler an den Musiker-Himmel. Die Trauer ist groß.

Kommentare

  • <cite class="fn">Petra B.</cite>

    Es fühlte sich an wie ein eiskalter Dolch, mein Herz durchdringend, als ich heute vom Tod Leonard Cohens erfuhr. Die Welt hat einen einzigartigen Menschen, Dichter, Autor, Philosophen und Musiker verloren.
    Ich hatte das Privileg, Leonard Cohen persönlich kennen zu dürfen.
    1988 lernte ich ihn im Rahmen seiner „I’m your man“- Welttournee in Stuttgart kennen und begleitete ihn anschließend nach München, Nürnberg, Wien und Zürich.
    Es war eine schöne Zeit zusammen mit ihm und seiner Band, u.a. mit Bob Furgo, Bob Metzger Perla Batalla und Julie Christensen.
    Noch heute tut es mir unendlich leid, dass ich sein Angebot, ihn doch noch auf weiteren Stationen seiner Tournee innerhalb Europas zu begleiten ausschlagen musste, denn damals im zarten Alter von 21 Jahren befand ich mich noch mitten im Studium und nahm dieses auch ernst.  
    So blieb ich zwar noch einige Jahre mit Leonard Cohen in Kontakt, doch irgendwann verloren wir uns aus den Augen.
    Leonard Cohen ist für mich in seiner leiblichen Präsenz  zwar für immer verloren, doch mir bleiben die zahlreichen, wunderbaren Erinnerungen, die ich eines Tages niederschreiben werde, meine Träume, in denen er immer noch lebendig ist- und- seine Musik und zahlreichen literarischen Werke.
    Meine Gitarre, die er mir damals signierte, halte ich besonders in Ehren. Er schrieb darauf:“ Petra, play with your heart! Leonard“
    Das habe ich immer beherzigt.
    Danke für alles, Leonard!

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