Hope Sandoval And The Warm Inventions: Until The Hunter – Album Review

Hope Sandoval And The Warm Inventions: Until The Hunter – Album Review

Schwermütige, warmherzige und anmutige neue Songs von Hope Sandoval

von Gérard Otremba

Hope Sandovals drei Alben mit Mazzy Star aus den 90er Jahren sind Legende. Längst genießen She Hangs Brightly (1990), So Tonight That I Might See (1993) und Among My Swan (1996) Kultstatus in der Indie-Pop-Szene. Sängerin und Texterin Hope Sandoval und Komponist David Roback verbanden Folkelemente mit Gitarren-Pop, Psychedelia mit Düster-Blues und katapultierten den Dream-Pop auf ein neues Level. Lange Zeit hörte man nichts vom Dream-Team des Dream-Pop, bevor es im Jahre 2013 mit Seasons Of Your Day den Faden wieder aufnahm. In der Zwischenzeit scharrte Hope Sandoval die Warm Inventions um sich, um 2001 mit der anmutigen Musik des Albums Bavarian Fruit Bread zu triumphieren.

Auf den Nachfolger Through The Devil Softly mussten die  Fans bis 2009 warten und sieben Jahre später steht nun Until The Hunter in den Startlöchern. Und da sind sie wieder, die Moll-Töne, begleitet von Hope Sandovals tieftrauriger Stimme. Until The Hunter beginnt mit dem neunminütigen „Into The Trees“, und so viel Chuzpe muss man in der Zeit von schwindenden Aufmerksamkeitsspannen erst einmal aufbringen. Der auf Orgel und Percussion-Drums basierende Eröffnungstrack ist in seiner hypnotischen Wirkung kaum zu übertreffen. Ein atmosphärisch dichter, kosmischer Psychedelic-Trip. Der sehnsüchtig-melancholische Dream-Folk-Pop, den Hope Sandoval wie keine andere beherrscht, offenbart sich bereits im anschließenden „The Peasent“. Ein leichter Country-Gospel-Twang verfeinert diesen filigranen und überaus grazilen Song.

Nach einem märchenhaften „A Wonderful Seed“ holt Hope Sandoval zusammen mit Gastsänger Kurt Vile bei „Let Me Get There“ zum großen Schlag aus. Lakonisch, entspannt, soulful, warmherzig, zutiefst romantisch und eins der schönsten Duette seit Lee Hazlewood und Nancy Sinatra. Siebeneinhalb schmachtende Minuten. An weiteren Höhepunkten fehlt es auf Until The Hunter nicht. Das schwermütige, gar verloren wirkende „Treasure“ gehört dazu, das mysteriös-bluesige „Salt Of The Sea“ nicht minder und das verstörend-schöne „The Hiking Song“ ebenfalls. Mit einem dramatischen, elegischen, aber auch reichlich fiesen Blues („Liquid Lady“) endet das Album und man weiß wieder, die Musik von Hope Sandoval ist reinste Poesie, die immer und immer mehr süchtig macht.

„Until The Hunter“ von Hope Sandoval & The Warm Inventions erscheint am 04.11.2016 bei  Tendril Tales Label / INgrooves.

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