Norah Jones: Day Breaks – Album Review

Norah Jones: Day Breaks – Album Review

Norah Jones kehrt zu ihren Jazz-Wurzeln zurück

von Gérard Otremba

Als Norah Jones im Jahre 2002 mit Come Away With Me debütierte, traf die damals 23-jährige Sängerin einen gewissen Zeitgeist, fernab von Indie-Pop und Alternative-Rock. Ihr geschmeidiger und smoothiger Jazz-Pop stürmte mit Millionenverkäufen die weltweiten Charts, Jones erhielt fünf Grammys, ein neuer Weltstar war geboren. Zwei Jahre später erklomm das Zweitwerk Feels Like Home (genauso wie dessen Nachfolger Not To Late 2007) die Spitze der Album-Charts in den Staaten, im UK, in Deutschland, Schweiz und Österreich. Sanfte, anmutige und gediegene Berieselung einer schönen jungen Frau war angesagt. Wesentlich mehr Pop-Einflüsse waren dann bereits auf The Fall zu vernehmen, das von Danger Mouse produzierte, vor vier Jahren veröffentlichte letzte Album Little Broken Hearts ging ganz und gar im Songwriter-Pop auf und zeigte Norah Jones auf Cover und Konzertplakaten in bis dato ungewohnter sexy Pose mit laszivem Blick.

Sexy ist das Gesicht von Norah Jones natürlich immer noch, nur kokettiert sie damit auf dem Cover ihres neuen Albums Day Break nicht mehr so vehement. Auf ihrer sechsten Solo-Platte sagt die 1979 in Brooklyn, New York, geborene Tochter von Ravi Shankar den Popgefilden goodbye und kehrt wieder zum Ausgangspunkt ihrer Karriere zurück. Back to the roots, zurück zum ausgesprochen edlen Piano-Jazz (mit einer Prise Pop), der immer wieder von Streichern flankiert wird, wie in den zauberhaften und fürchterlich traurigen Songs „And Then There Was You“ und „Sleeping Wild“ sowie dem den Pop streifenden Titelsong „Day Breaks“. Hier und auch beim Opener „Burn“ und bei den Coverversionen von „Peace“ (Horace Silver) und „Fleurette Africaine“ (Duke Ellington) setzt Tenor-Saxophonist Wayne Shorter mit seinem ruhigen und pointierten Spiel genuine Akzente.

Schlagzeug, Gitarren und Bass sorgen für eine angenehme, sepiafarbene Grundierung, alles sehr verhalten und seriös, mal gesellt sich eine Hammond B3-Orgel zu Jones’ Piano-Spiel („Tragedy“), mal glänzt Drummer Brian Blade, wie im reduzierten „It’s A Wonderful Time For Love“. Nur für „Flipside“ lässt Norah Jones ihre Musiker von der Leine, die es ihr mit einer konzentrierten und schwungvollen Darbietung danken. Natürlich lässt einen die schöne und verführerische Stimme von Norah Jones immer wieder schmachten und in Träumen versinken, aber aus eben diesem Grund hört man ihre Musik. Wunderbar auch die Coverversion von Neil Youngs „Don’t Be Denied“, die Day Breaks das gewisse Etwas verleiht. Schöne Musik.

„Day Breaks“ von Norah Jones ist am 07.10.2016 bei Blue Note Records / Universal Music erschienen.  

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