Gérard bloggt über die Frankfurter Buchmesse 2016

Gérard bloggt über die Frankfurter Buchmesse 2016

Vom Deutschen Buchpreis zum Blogbuster

Text und Fotos von Gérard Otremba (sofern nicht anders angegeben)

Ach, Frankfurt. Die alljährliche Rückkehr zur Buchmesse in meine ehemalige Wohnstadt ist immer an eine gewisse Wehmut gekoppelt, verbrachte ich doch fast zwölf Jahre meines Lebens in der Mainmetropole. Die Frankfurter Buchmesse ist somit längst zu einem Heimspiel für mich avanciert, mit Terminen ohne Ende, arbeitstechnischer und privater Natur. Als diesjähriger Buchpreisblogger war ich zur Verleihung des Deutschen Buchpreises am Montag vor dem Buchmessenstart eingeladen worden, so dass ich bereits einen Tag früher als sonst anreisen durfte und zum ersten Mal den Kaisersaal des Frankfurter Römer zu sehen bekam (von den Buchpreisbloggern waren Jochen Kienbaum und Tobias Nazemi ebenfalls anwesend). Und mehr Frankfurt ging dann nicht mehr, denn ausgerechnet der Frankfurter Schriftsteller Bodo Kirchhoff gewann für seine Novelle Widerfahrnis den Deutschen Buchpreis 2016.

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In seiner Dankesrede knüpfte Kirchhoff dann auch noch seinen Erfolg an die seines Lieblingsvereins Eintracht Frankfurt, der überraschenderweise eine ganz gute Rolle in der laufenden Bundesligasaison spielt. Das war schon fast etwas zu viel Frankfurt auf einmal, neige ich doch beim Sport immer zu einem gewissen Lokalpatriotismus (zwölf Jahre Frankfurt prägen) und verfolge das Eintracht-Geschehen auch von Hamburg aus noch mit einem gewissen distanzierten Interesse. Die Preisverleihung war eine sehr kurzweilige Angelegenheit, leider musste ich aufgrund von privaten Terminen (zwölf Jahre Frankfurt verpflichten) den anschließenden Empfang sehr früh verlassen, Zeit für Gespräche mit dem Jury-Vorsitzenden Christoph Schröder und den nominierten Autoren blieb leider nicht.

Zufällig traf ich Bodo Kirchhoff dann am Buchmessenmittwoch am Stand der Frankfurter Verlagsanstalt (FVA), eine Minute später war er wieder auf dem Weg zum nächsten Termin. Von Arbeitsterminen war mal wieder auch meine Frankfurter Buchmesse (wie eigentlich immer) geprägt. Es werden jährlich mehr, ein vierter Fachbesuchertag wird bald nötig sein. Arbeiten durften auch die Buchpreisgewinner Bodo Kirchhoff und sein Verleger Joachim Unseld, die gemeinsam das Buchpreis-Gewinner-Logo am FVA-Stand anbringen.

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Das Ergebnis ist wohlwollend mit der Note „Befriedigend“ zu werten, aber immerhin verstehen die Herren sehr viel vom Schreiben und Verlegen (danke an die FVA für die Fotos). Mein dichter Kalender mit Terminen bei den Pressekolleginnen- und Kollegen der Verlage sowie einiger Bloggertreffen schafft natürlich kaum Raum für ein ausdauerndes Flanieren durch die Messehallen, oder gezielte Besuche bei Prominentenauftritten. So war es mehr dem Zufall gewidmet, dass ich den Liedermacher Wolf Biermann vor die Linse bekam…

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…während gleichzeitig die Journalistin und Autorin Bettina Baltschev nebenan auf dem Blauen Sofa über ihr neues Buch Hölle und Paradies – Amsterdam, Querido und die deutsche Exilliteratur (demnächst auch bei Sounds & Books durch eine Rezension vertreten) sprach.

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Als Chef von Sounds & Books bin ich mit den Themen Musik und Literatur vollauf beschäftigt, fröne nebenher intensiv meinem Laufsport, komme kaum noch ins Kino und für Kunstausstellungen bleibt schon gar keine Zeit mehr. Insofern bin ich dem Rowohlt Verlag sehr dankbar, organisierten die Verlagsdamen doch eine Führung für interessierte Blogger und Bloggerinnen durch die Ulay-Ausstellung Life-Sized in der Schirn-Kunsthalle. Abgefahren, diese Performance-Künstler, sage ich euch. Zwar nicht meine Welt, aber ein Blick lohnt sich allemal. Bis zum 08.01.2017 könnt ihr die Ausstellung besuchen. Es lohnt sich. Auf der anschließenden Verlagsparty gab sich die Prominenz die Klinke in die Hand und Kabarettist und Parodist Florian Schröder mir und Ilke von Buchgeschichten den Marcel Reich-Ranicki.

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Am Donnerstag dann wieder: Termine, Termine, Termine, die Ausblicke für das literarische Frühjahr versprechen wieder einige Highlights, darunter auch bei DVA / Manesse, die erneut zu einer Programmvorschau-Bloggerrunde einluden. Ähnliches, aber ohne explizite Vorschaublicke veranstalten anschließend noch Hanser und Hoffmann & Campe. Dort erschienen sind u.a. auch die Chronicles sowie die Lyrics von Bob Dylan, in deutscher Übersetzung von Gisbert Haefs (hatte ich eigentlich bei Sounds & Books schon erwähnt, dass Bob Dylan den Literaturnobelpreis 2016 zugesprochen bekommen hat? Ja, hatte ich). In Frankfurt war er nicht, ein Foto gibt es trotzdem.

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In Frankfurt war allerdings Bruce Springsteen. Zwar nicht auf der Messe, sondern exklusiv in der Villa Kennedy vor geladenen Pressevertretern und anderen Gästen. Als ich davon kurz vor unserer Blogbuster-Pressekonferenz am nächsten Tag erfuhr, wäre ich fast Amok gelaufen, als Journalist und ausgewiesener Bruce Springsteen-Experte zu diesem Event vom Heyne-Verlag nicht eingeladen worden zu sein, schmerzt auch noch vier Tage später. So bleibt auch hier nur ein sehnsüchtiges Erinnerungsbild.

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Dementsprechend war ich bei meiner Kurzvorstellung etwas wortkarg und innerlich auf 180. Aber das Interesse am von Tobias Nazemi initiierten Literaturwettbewerb scheint Wellen zu schlagen, die Pressekonferenz jedenfalls ward von vielen Menschen besucht.

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Und eine großartige Jury hat der Blogbusterpreis mit Lars Birken-Bertsch von der Frankfurter Buchmesse, dem Kritiker Denis Scheck, der Literaturagentin Elisabeth Ruge, Klett-Cotta-Verleger Tom Kraushaar und natürlich Tobias Nazemi himself (im Foto von links nach rechts, ganz links Moderator Felix Wegner).

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Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits das Bloggertreffen vom Diogenes Verlag hinter mir, das alte Seilschaften und neue Bekanntschaften zutage förderte.

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In der Bloggerrunde des Kiepenheuer & Witsch-Verlages lasen die beiden Schriftstellerinnen Paula Fürstenberg und Nele Pollatschek aus ihren Debütromanen Familie der geflügelten Tiger und Das Unglück anderer Leute (Galiani) und erwiesen sich dabei als überaus sympathisch (die Rezensionen zu den Romanen demnächst in diesem Theater).

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Zum Geburtstag des österreichischen Schriftstellers Jürgen Bauer noch ein kleiner Abstecher zum Septime-Verlag, wo ich noch die Autorinnen Sabine Hunziker und Marlen Schachinger und Verleger Jürgen Schütz traf.

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Am Freitagabend dann natürlich noch die Vergabe des Virenschleuderpreises 2016 (Der Preis für ansteckendes Marketing aus Kultur und Media), diesmal von  Wibke Ladwig und Leander Wattig moderiert. Zu den Siegern zählen Die Dussmann Weihnachtswichtel Social Media Aktion (Kategorie „Ansteckendste Kampagne), das Social Media Team der Polizei Frankfurt am Main („Team des Jahres“), die Bloggerin Susanne Kasper („Persönlichkeit des Jahres“)…

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…der Carlsen Verlag für #potternacht: Vom Offline-Event zur Social Media Story („Ansteckendste Strategie/Plattform“), mit der stolzen Carlsen-Mitarbeiterin Ute Nöth bei der Verleihung…

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…sowie der Hanser Verlag für die „ansteckendste Idee“ („Morgen mehr – ein Roman-Abo“). Rechts die glückliche Hanser Social Media-Beauftragte Frauke Vollmer, links Sophie Weigand von Literaturen und diesjähriges Jury-Mitglied.

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Und weil ein Online-Magazin ohne Hanser-Chef Jo Lendle auf dem Titelbild nur die Hälfte wert wäre, seht ihr Hanser-Chef Jo Lendle auf dem obigen Beitragsbild, den Virenschleuderpreis gekonnt auf dem Kopf balancierend. Und weil so schön, hier gleich nochmal:

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War sonst noch was? Ach, ja. Endlich den Verleger Stefan Weidle kennen gelernt, dessen Marathonbestzeit gut drei Minuten unter meiner bisherigen liegt. Damit ist meine Marathonzeit für das nächste Jahr vorgegeben, ich muss unter 3:07 Stunden laufen (das wird anstrengend, liegt aber im Bereich des Möglichen). Und Daniel Beskos vom Hamburger mairisch Verlag ist mit dem Young Excellence Award des Börsenblatts ausgezeichnet worden. Herzlichen Glückwunsch dazu, so viel Lokalpatriotismus ist hoffentlich erlaubt. Schön, dass ich wieder viele bekannte und neue Gesichter sehen durfte und alle anderen sind nächstes Jahr dran. Auf dem Weg zur Virenschleuderpreisverleihung fiel Ilke dieser kleine Kerl in die Augen und an einem der Helden meiner Kinderzeit gab es kein Vorbeikommen- Rechts übrigens, das ist besagte Ilke (danke für das Foto), die regelmäßig auf Buchgeschichten über ausgewählte Literatur spricht.

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Also, schöne Grüße vom kleinen Maulwurf und ihr wisst ja, „Lesen macht sexy“. In diesem Sinne, see you next time…

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Und cheers!

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