Van Morrison: Keep Me Singing – Album Review

Van Morrison: Keep Me Singing – Album Review

Ein schönes, gefühlvolles und melancholisches neues Van Morrison-Album

von Gérard Otremba

Mit seinem Meisterwerk „Astral Weeks“ hat Van Morrison 1968, wie so einige Künstler jenes Jahrzehnts, die Popmusik auf den Kopf gestellt und zu einem schwindelerregenden Höhenflug in Sachen Innovation und Kreativität verholfen. Auf einem immer noch verdammt hohen Niveau betrieb der 1945 in Belfast geborene George Ivan Morrison seinen Beruf in den siebziger Jahren aus, mit Longplayern wie Moondance, His Band And The Street Choir, Tupelo Honey, Saint Dominic’s Preview, Hard Nose The Highway, Veedon Fleece, Into The Mystic und natürlich dem spektakulären Live-Erlebnis It’s Too Late To Stop Now…. Die Durststrecke mit mediokren Alben in den 80ern ist auch anderen, die Jahrzehnte davor prägenden Künstlern wie z.B. Bob Dylan durchaus nicht fremd und erst die Jahre 89/90 brachten auch für Van Morrison eine Wende in die richtige Richtung.

Seit dem hat sich der ehemalige Them-Sänger auf ein annehmbares und gutes Level mit sanften ups und downs eingependelt, so dass man seiner veritablen Mixtur aus Blues, Jazz, Soul, Folk, Pop, Swing und R&B in all seinen anschließenden Werken Vernünftiges abgewinnen konnte. Keep Me Singing gehört definitiv zu den besseren Van Morrison-Alben der letzten Jahre, vielleicht die beste Platte seit The Healing Game von 1997. Gewiss keine Großtat, aber die ist auch kaum mehr zu erwarten. Doch legt „Van The Man“ mehr Tiefe und Gefühl in Stimme und Kompositionen als zuletzt. Das graziöse, fast smoothige, aber ergreifende „Every Time I See A River“ dient hier beispielhaft für die grenzen- und zeitlose Eleganz, die Van Morrison immer noch verströmt. Und natürlich das siebenminütige „Out In The Cold Again“.

Eine gefühlige, aber edle Melancholie breitet sich aus. Alles ist bei Van Morrison im Fluss und sepiafarben getränkt. Die Streicher schwermütig, das Piano wohlgemut, die Orgel perlt, die weiblichen Chorgesänge anschmiegsam, die gesamte Instrumentierung dezent und unaufgeregt in Szene gesetzt. Ein angedeutetes, dezentes Pathos in „Holy Guardian Angel“ wird einerseits schnell wieder geerdet, erstrahlt andererseits im hellen Glanz, pure Grandezza. Doch ja, Keep Me Singing von Van Morrison ist ein schönes Album geworden. Zum Zurücklehnen, zum Träumen, zum Genießen.

„Keep Me Singing“ von Van Morrison ist am 30.09.2016 bei Caroline erschienen.

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