Eric Clapton: Live in San Diego – Album Review

Eric Clapton: Live in San Diego – Album Review

Eric Clapton und JJ Cale auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft

von Sebastian Meißner

Sie verband eine tiefe, mehrere Jahrzehnte währende Freundschaft. Und auch musikalisch waren Eric Clapton und JJ Cale in großem Respekt voreinander verbunden. Ihr gemeinsames Album „The Road To Escondido“ von 2006 zeigte, wie gut die beiden Ausnahmegitarristen miteinander harmonierten. Ein gutes Jahr später kam Cale im Rahmen eines zweistündigen Clapton-Konzerts in San Diego als Special Guest auf die Bühne, um bei fünf Songs auszuhelfen. Der Gig wurde mitgeschnitten und liegt nun als „Live in San Diego“ vor. 2013 verstarb Cale. Und mit ihm dieses grundentspannte Laid Back-Gitarrenspiel, das er beherrschte wie kein anderer.

Dass Clapton nun dieses Live-Album veröffentlicht, ist auch als Hommage an diesen stillen Virtuosen zu verstehen. Die Höhepunkte dieses 16 stücke umfassenden Mitschnitts sind dann auch die als Duett vorgetragenen „Anyway The Wind Blows“, „After Midnight“, „Who Am I Telling You?“, „Don’t Cry Sister“ und natürlich „Cocaine“, auf denen die beiden sich in Sachen Lässigkeit zu Höchstleistung stacheln. Hier Cale, der stilsichere Minimalist, da Clapton, der stilsichere Notenpapst. Wie beide vor allem in „After Midnight“ und „Cocaine“ ihre Soli im Ping-Pong-Spiel ineinander weben, ist nicht nur für Gitarren-Afficionados ein Genuss. Dass mit  Derek Trucks aus der Tedeschi Trucks Band ein weiterer Saitenzauberer in der Band mitspielte, verleiht diesen Aufnahmen einen zusätzlichen Reiz.

Das übliche Set besteht aus Klassikern aus dem Blues-Kanon wie etwa „Key To The Highway“, „Further On Up The Road“, „Crossroads“ und einigen großen Nummern aus dem Clapton-Backkatalog – darunter auch die lange verschmähten „Layla“ und „Wonderful Tonight“. Claptons Stimme ist hörbar gealtert. Er ist nun einer jener alten Blueser, deren Musik ihn schon früh in seiner Karriere so stark beeinflusst hat. Ein Highlight ist das Hendrix-Cover „Little Wing“, das gegenüber der Derek & The Dominoes-Aufnahme von 1970 sogar an Wärme gewonnen hat. Clapton zeigt hier noch einmal seine ganze Klasse. Ein bisschen Wehmut schwebt mit beim Hören dieser Aufnahmen. Cale ist gegangen, Clapton kämpft Gerüchten zufolge mit Schmerzen beim Spielen. „Live in San Diego“ zeigt beide noch einmal auf der Höhe ihrer Schaffenskraft.

„Live in San Diego“ von Eric Clapton ist am 30.09.2016 bei Warner Music erschienen.

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