Pink Floyd: Atom Heart Mother, Meddle, Obscured By Clouds – Remastered Album Review

Pink Floyd: Atom Heart Mother, Meddle, Obscured By Clouds – Remastered Album Review

Drei weitere Pink Floyd-Klassiker neu auf Vinyl

von Gérard Otremba

Nach den ersten vier Pink-Floyd-Werken aus den sechziger Jahren, die im Juni dieses Jahres neu remastered in Vinyl-Form erschienen sind, geht es chronologisch weiter mit den Alben der Früh-70er-Ära. Die zwischen 1970 und 1972 veröffentlichten Longplayer Atom Heart Mother, Meddle und Obscured By Clouds sind nun entstaubt und im Klang veredelt als Langspielplatte neu aufgelegt worden (Beitragsbild: Storm Thorgerson).

Atom Heart Mother

Im Oktober 1970 erblickte Atom Heart Mother nach einem halbjährigen Aufnahmeprozess das Licht der Welt und bot mit dem sich über eine Seitenlänge ziehenden und gut 24 Minuten währenden Titelstück mal wieder einen überaus ambitionierten Song von Roger Waters, David Gilmour, Nick Mason und Richard Wright, das von Ron Geesin opulent orchestriert wurde. Die sechsteilige Suite verbindet dissonante Soundeffekte mit sakralen, teils verstörenden Chorgesängen, Avantgarde mit Pop, Genie mit Wahnsinn. kPFRLP5-AtomHeartMotherDer Space-Rock der frühen Pink Floyd-Jahre ist auf „Atom Heart Mother“ nur noch nuanciert wahrzunehmen. Die zweite Seite zeigt mit der Roger Waters-Country-Folk-Ballade „If“ ein zunächst völlig anderes Pink Floyd-Bild als noch auf Seite eins. Ebenso die Wright-Nummer „Summer `68“, die genauso eine Rückbesinnung zum hippiesken Psychedelic-Pop erfährt wie das anschließende, sehr beatleske „Fat Old Summer“ aus der Feder von David Gilmour. Mit dem experimentellen Avantgarde-Sound des dreizehnminütigen Instrumentals „Alan’s Psychedelic Breakfest“ endet Atom Heart Mother, ein Album, das phasenweise strapaziös, gewöhnungsbedürftig und überambitioniert klingt, teilweise aber filigran, edel und auf der Höhe der Zeit. Für Pink Floyd die erste Nummer 1 in den UK-Album-Charts.

Meddle

Als Nachgeborener, der Pink Floyd zum ersten Mal im Jahre 1989 live auf der Bühne erlebte, kann man nur dankbar sein, dass die Herren nicht das Titelstück von Atom Heart Mother aufführten, es hätte einen nachhaltig irritiert. Im Programm hatten die Floyds aber „On Of These Days“, den furiosen Opener des sechsten, 1971 veröffentlichten Albums Meddle, das so herrlich zwischen Psychedelic-, Art- und Bombast-Rock changiert. Jedoch, die Experimente, die abstrakten Avantgarde-Ambitionen weichen auf Meddle einer spürbaren Harmonieseligkeit, wie sie in „A Pillow Of Winds“, „Fearless“ und „San Tropez“ besser nicht zum Ausdruck hätte gebracht werden können. kPFRLP6-Meddle-CoverBekannt ist Meddle natürlich durch seine zweite Seite, die aus dem 23-minütigen Monster-Song „Echoes“ besteht. Doch im Gegensatz zum teils traumatischen „Atom Heart Mother“ verzichten Pink Floyd beim ähnlich langen Stück auf Orchester-Popanz und auch weitgehend auf sonstige, aufmerksamkeitsheischende Soundkonstruktionen. Unheimliche, aber wesentlich hypnotischere Passagen als auf „Atom Heart Mother“ brachten Pink Floyd zu Gehör, sowohl „Echoes“ als Song, als auch Meddle als Album hinterlassen nach wie vor den stimmigeren Eindruck als noch das Vorgängeralbum und weisen bereits in Richtung Dark Side Of The Moon.

Obscured By Clouds

Zwischen 1967 und 1973 ging es bei Pink Floyd Schlag auf Schlag, jedes Jahr ein neues Album, 1972 war Obscured By Clouds an der Reihe. Eingebettet zwischen Meddle und dem ein Jahr später folgenden Hyper-Millionen-Bestseller Dark Side Of The Moon, ist Obscured By Clouds als ein schönes Zwischenspiel auf gewohnt hohem Pink Floyd-Niveau einzuordnen, mithin als Soundtrack für den französischen Film La Vallée verwendet. kPFRLP7-ObscuredByClouds-CoverGroßtaten wie „Echoes“ sucht man hier vergebens, für Pink Floyd-Verhältnisse dominiert straighter Rock, der in „When You’re In“ im Blues verwurzelt ist und bei „The Gold It’s In The…“ schon Glam-Aura verströmt. Aber auch sinnliche Folk-Pop-Songs wie „Burning Bridges“ (psychedelic style), „Wot’s…Uh The Deal“ oder „Stay“ finden Einlass auf Obscured By Clouds. Zu den Höhepunkten zählen zweifellos das von Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke inspirierte „Childhood’s End“ sowie das direkt darauf folgende, zwischen Mitklatscheuphorie und Gilmour-Gitarren-Feuerwerk changierende „Free Four“. Und dann kam Dark Side Of The Moon

„Atom Heart Mother“, „Meddle“ und „Obscured By Clouds“ von Pink Floyd sind am 23.09.2016 bei Pink Floyd Records / Warner Music neu auf Vinyl erschienen.  

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