Das Reeperbahn Festival 2016: Vierter und letzter Tag – Konzertreview

Das Reeperbahn Festival 2016: Vierter und letzter Tag – Konzertreview

Mit Norma Jean Martine, Rhonda, Alexandra Savior, The Head And The Heart und Deap Vally

von Gérard Otremba

Zur Tagesschauzeit um 20 Uhr beginnt am 24.09.2016 das Konzert von Norma Jean Martine im Nochtspeicher und bildet den Auftakt für Sounds & Books am vierten und letzten Tag des diesjährigen Reeperbahnfestivals. Die 25-jährige New Yorkerin lebt seit fünf Jahren in London, ihr ursprünglich für den Herbst des Jahres angekündigtes Debütalbum Only In My Mind ist auf Januar verschoben worden, aber die Vorabsingle „No Gold“ hat es an dieser Stelle bereits zum Song des Tages geschafft. Der eigentlich von Adele, Rebecca Ferguson, Amy Winehouse oder Dusty Springfield inspirierte Soul-Pop wird von Norma Jean Martine und ihrer dreiköpfigen Herrenband (Gitarre, Schlagzeug, Bass) beim Auftritt im Nochtspeicher in einer fabulösen Rock-Version gespielt, die nichts zu wünschen übrig lässt. Insgesamt ein überzeugendes Konzert aus schmachtend-sehnsüchtigen Balladen und flotten Uptempo-Nummern, die das zahlreich erschienene Publikum völlig zu Recht mit tosenden Applaus quittiert. Nicht nur Sounds & Books freut sich hoffentlich auf das Erscheinen des Albums.

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Im Eiltempo geht es durch den vollgestopften Spielbudenplatz zur Spielbude, von wo man schon kurz vor dem Einlass die Klänge des Rhonda-Songs „Terrible Lies“ vernimmt. Ja, der dichtgedrängte Zeitplan macht eine kleine Verspätung möglich. Ein Rhonda-Konzert ist längst zu einer Art musikalischer Heimat für Sounds & Books geworden. Die Hits des Rhonda-Debütalbums Raw Love live zu hören ist immer wieder ein gar prächtiges Vergnügen. Sängerin und Gitarristin Mila Milone, Gitarrist Ben Schadow, Bassist Jan Fabricius, Offer Stock an der Orgel und Gunnar Riedel am Schlagzeug sind wie üblich in bestechender Spiellaune und so erklingen „My Thing“, „I Need No Help“, „Camera“ und „That’s How I Roll“ wie neu geliftet und doch so sehr vertraut. Ein Vintage-Soul-Rock’n’Roll, der von einer schmissigen Coverversion des The Nerves-Songs „When You Find Out“ garniert wird. Wie schön, dass für Januar das zweite Rhonda-Album geplant ist.

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Die Terminüberschneidungen lassen ein ganzes Rhonda-Konzert nicht zu, denn im Imperial Theater tritt auch schon Alexandra Savior auf. Die 21-jährige Amerikanerin und ihre vier männlichen Mitstreiter an Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards verpacken ihren Indie-Pop-Rock in einen glasklaren Sound, der allein schon unter die Haut geht. Saviors sinnlich-verführerische Stimme gibt einem dann aber endgültig den Rest. Fast wirkt Alexandra Savior gelangweilt, doch es ist ihr laszives Timbre, das sie zu einer Art unschuldigen und doch sirenenhaften Diva macht. Noch schnell den Wahnsinnssong „M.T.M.E.“ (ebenfalls hier bereits zum Song des Tages deklariert) mitgenommen und schon auf dem Weg ins Docks, Alexandra Savior in guter Erinnerung behaltend.

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Ähnlich wie Rhonda gehört auch die Band The Heart And The Heart zu den Sounds & Books-Lieblingen. Das Sextett aus Seattle hat vor just zwei Wochen mit Signs Of Light sein drittes und hier bereits besprochenes Album veröffentlicht, dessen Songs im Mittelpunkt des einstündigen Gigs stehen. Schnell kommt ungetrübte Freude beim Indie-Folk-Rock von The Head And The Heart auf, Songs wie „City Of Angels“, „All We Ever Knew“ und das ungestüme „I Don’t Mind“ sind Garanten für überbordenden Enthusiasmus, die Klassiker des ersten Albums, die mit „Down In The Valley“, Lost In My Mind“ und „Sounds Like Hallelujah“ abgefeiert werden, sowieso. Balladeske Tempostopper wie „Library Magic“ und „Let’s Be Still“ gehören zu The Head And The Heart dazu wie die Nacht zum Tag. Mit einer exaltierten und famosen Version von „Rivers And Roads“ beschließen The Head And The Heart ihren glänzenden Auftritt schicken die Fans durch und durch euphorisiert in die Nacht hinaus.

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Die setzt Sounds & Books im Molotow fort. Das Damen-Duo Deap Vally aus Los Angeles setzt dort voll auf die brachiale Nummer. Sängerin und Gitarristin Lindsey Troy sowie Schlagzeugerin und Sängerin Julie Edwards überschütten das Publikum mit einem Feuerwerk an Indie-Rock der härteren Gangart. Der Sound von Deap Vally ist infiziert von Punk, Blues- und Hardrock, die ersten Fan-Reihen rasten komplett aus, das Duo heizt mit herben Riffs und gewaltigen Schlagzeug-Donnerschlägen der Menge zu und bringt das bereits kochende Molotow an den Siedepunkt. Ein wahrlich heißer Auftritt von Deap Vally, die selbstverständlich das in diesem Magazin als Song des Tages (wie könnte es anders sein) ausgezeichnete Stück „Gonnawanna“ einmal in die Hölle und zurück schicken. Wer nach dem Auftritt von Deap Vally das Molotow ohne Tinnitus verließ, hat schlechte Ohren. So darf das Reeperbahnfestival 2016 für Sounds & Books getrost enden.

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