Das Reeperbahnfestival 2016: Erster Tag – Konzertreview

Das Reeperbahnfestival 2016: Erster Tag – Konzertreview

Mit Lilly Among Clouds, Deerborn, Fil Bo Riva und Gurr

Text und Fotos von Gérard Otremba

Unlängst hatten wir bereits Lilly Among Clouds im Programm von Sounds & Books, als die junge Songwriterin im Juli bei den Knust Accoustics auf dem Lattenplatz auftrat. Dort herrscht bekanntlich eine ruhige, familiäre Atmosphäre, der Sound gedämpft und reduziert. Während ihres Auftritts beim diesjährigen Reeperbahnfestival im Imperial Theater wird die junge Sängerin und Pianistin Lilly Brüchner wiederum von zwei Herren am Schlagzeug und Keyboard, respektive Gitarre begleitet, allein ist die Lautstärke ungleich voluminöser als noch bei der Accoustics-Show. Das Repertoire reicht von Chamber-Folk-Pop, wenn Cello und Piano die kapriziöse Stimme Brüchners den würdigen Rahmen geben, über Club-Pop, der mit einem markanten Beat unterlegt ist, bis hin zum Shuffle-Pop mit sanften Psychedelic-Pop-Verweisen. Immer mehr wird Lilly Among Clouds eine Art Würzburger Antwort auf Tori Amos, zwischen elfenhafter Anmut und Drama-Pop changierend. Ihre Musik kommt bei den Gästen im vollbesetzten Imperial Theater so gut an, dass eine Zugabe in Form des grandiosen Songs „Blood & History“ unausweichlich bleibt. Und für alle, bei denen es mal nicht so gut läuft, hat sie noch einen Rat parat: „Schreibt Songs, wenn ihr frustriert seid.“ Bei Lilly Brüchner, alias Lilly Among Clouds funktioniert das ausgesprochen gut.

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In der Spielbude am Spielbudenplatz spielt anschließend die Band Deerborn. Das dänische Quintett ist zwar im weitesten Sinne dem Folk-Rock zuzuordnen, aber einem, der es ordentlich krachen lässt. Die fünf Herren tauchen tief in der siebziger Jahre, verbinden Classic-Rock mit Blues-Rock, Stoner-Rock mit Psychedelic-Rock, Hard-Rock mit Desert-Rock. Schlagzeug, Bass, Keyboard, akustische- und E-Gitarre, alles rustikal und auf einen Nenner gebracht. Zum Headbangen für die alte Rock-Schule. Und die macht immer noch Spaß.

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Weiter geht es mit dem Konzert von Fil Bo Riva im Mojo-Club, das sich aufgrund von technischen Problemen um ein paar Minuten verzögert. Der in Italien geborene, in Irland aufgewachsene und in Berlin lebende Musiker begleitet sich auf der akustischen Gitarre, betätigt nebenher die Bassdrum und weiß einen E-Gitarristen an seiner Seite, später im Verlauf des Gigs von einem Schlagzeuger unterstützt. Fil Bo Riva ist mit einer markanten, dunklen, leicht verrauchten Stimme gesegnet, die er mit einer betonten Lässigkeit einsetzt. Sein Aussehen lässt ihn als eine Mischung aus Jeff Buckley, Adam Green und Jim Morrison durchgehen, was vielleicht auch die Vielzahl an jungen Damen im frühstudentlichen Alter im Publikum erklärt. Doch sicherlich trägt auch seine Musik einen Anteil am wachsenden Erfolg. Ein Amalgam aus Soul, Pop, Rock, der hier aufgrund der kristallklaren und doch melancholischen Gitarrenklänge kurzerhand zum Dream-Rock erklärt wird.

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Noch vor Ende des Fil Bo Riva-Konzertes geht es weiter in die vollbesetzte und sehr warme Prinzenbar, wo bereits die Band Gurr auf ihren Auftritt wartet. Die Sängerinnen und Gitarristinnen Andreya Casablanca und Laura Lee Jenkins (durch eine Bassistin und einen Schlagzeuger ergänzt) brennen ein Feuerwerk aus Punk und Garage-Rock ab und heizen den Fans mächtig ein. Energetisch und völlig ausgelassen spielt sich die aus Berlin stammende Formation durch ihr Set, das aus Songs des im Oktober erscheinenden Debütalbums und der kessen Coverversion des Beatles-Klassikers „Helter Skelter“ besteht. In den gut vierzig Minuten gibt es viel Gitarrengeschrammel zu hören, die Haare wirbeln durch die Lüfte, die Songs sind kurz, knackig und rotzfrech. Diese mädchenhafte und unperfekte Attitüde steht den jungen Damen wahrlich gut. Und mir liefert Gurr  den  perfekten Abschluss des ersten Reeperbahnfestivaltages.

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