Mike Evans: Vinyl – Die Magie der schwarzen Scheibe – Grooves, Design, Labels, Geschichte und Revival

Mike Evans: Vinyl – Die Magie der schwarzen Scheibe – Grooves, Design, Labels, Geschichte und Revival

Ein Must-have für Musikliebhaber

von Christin Feldmann

Wenn man eine Rezension über ein Buch schreibt, welches den langen Titel Vinyl. Die Magie der schwarzen Scheibe. Grooves, Design, Labels, Geschichte und Revival trägt, dürfen Statements von bekannten Größen der Musikgeschichte nicht fehlen. Warum? Einfach, weil das Buch mehr ist, als eine Hommage an Retrofreunde und Solche, die es noch werden wollen. Vinyl ist eine Enzyklopädie, die den Leser mitnimmt auf eine Reise durch die Musikgeschichte, erklärt, woher die Schallplatte ihren Ruhm bekommen hat und warum aktuelle Künstler, wie z.B. Wolf Parade mit ihrem jüngst erstmal nur in Vinyl erschienen Album EP 4, heutzutage das Medium für sich wieder entdeckt haben.

Doch von vorne: John Lydon Sänger der Sex Pistols äußerte sich zum Thema Vinyl vor einigen Jahren folgendermaßen: „() I go back to vinyl to hear a good record because the sound is always so much fuller.“ Der Sound ist also besser, entnimmt man dem Zitat. Ist das etwa alles? Das dies nicht das Einzige ist, was die legendäre, schwarze Scheibe auszeichnet, zeigt Mike Evans, Musikredakteur u.a. beim Guardian, Sounds oder Melody Maker, und nimmt den Leser in seinem 256 Seiten starken Werk mit auf eine musikalische Zeitreise des Mediums, welches gerade in den letzten Jahren seine Renaissance erlebt. Böse Zungen behaupten nun, wer cool sein will, kauft sich sein Lieblingsalbum in Vinyl. Die Schallplatte aber ist, und das zeigt Evans in seinem Epos sehr deutlich, doch so viel mehr als ein neuer Hipster-Lifestyle. „Vinyl is the real deal. I’ve always felt like, until you buy the vinyl record, you don’t really own the album. And it’s not just me or a little pet thing or some kind of retro romantic thing from the past. It is still alive“, äußerte sich auch jüngst Jack White.

Die schwarze Scheibe ist mehr als ein Anhängsel der Retrobewegung. Wer sich mit Musik beschäftigt, weiß, dass es in jeder Stadt mittlerweile wieder Schallplattenläden gibt. In Reykjavik/Island beispielsweise, wird derjenige, der auf der Suche nach CD’s ist, Pech haben, denn die dortige Musikszene verkauft fast ausschliesslich lokale und importierte Künstler in Schallplattenform. Vinyl – Die Magie der schwarzen Scheibe nun macht erstmal ein Rückwärtssalto und offeriert dem Leser die Anfänge der Schallplatten, den Übergang von Schellack zur leichteren Version des Klangerlebnisses, erklärt wie die Schallplatten kommerziell geworden sind, wieso das Plattenlabel Audio Fidelity eigentlich Aufnahmen von Eisenbahngeräuschen auf Platte presste, und widmet sich weiterhin Labeln und Plattenfirmen, die die heutige Musik maßgeblich mitbestimmt haben. Unbekanntere Künstler erleben im Buch ihre Wiederentdeckung, so etwa Larry Adler, Lou Donaldson,The Mynah Birds, The Incredible String Band, Adam And The Ants oder The Godz, genauso wie den großen Legenden, darunter Elvis, Johnny Cash, Jimi Hendrix, The Beatles, Rolling Stones, Nirvana, David Bowie und, und, und ein Denkmal gesetzt wird. Dabei erklärt Mike Evans auch immer mal wieder Begriffe wie z.B den der Dub – Kultur, ohne dabei zu weit abzudriften.

Wer nun aber denkt, das Buch bestehe größtenteils aus textlichen Input, irrt gewaltig. Vinyl findet mit schönen Illustrationen einen guten Mittelweg zwischen Erklärtext und Abbildungen von Plattencovern, Künstlern oder Abspielgeräten, ohne dabei zu technisch und nerdig zu werden. Auf den Fotos sind seltene Zeitzeugen zu sehen, von großen Legenden der Musikgeschichte und selbst für Nicht- Vinyl -Liebhaber ein echter Augenschmaus. Mike Evans beendet sein Buch dann mit der Anmerkung, dass einige Musiker sich einen Spaß daraus machten, Witze oder satanische Botschaften mit in die Rillen der schwarzen Scheibe zu pressen. Wer also auf Spurensuche gehen will, hat mit Vinyl eine echte Anleitung, sich den urbanen Mythen der Musikgeschichten anzunähern und im Plattenladen seines Vertrauens die Scheibe zu kaufen, die vielleicht einen schwarz-humorigen Witz von Johnny Marr oder Morrissey enthält. Und um den Plattenladen in seiner Stadt auch finden zu können, gibt es dann am Ende des Buches einen Plattenladenwegweiser und eine Liste von Schallplattenherstellern.

Fazit: Vinyl ist kein ödes Werk, welches den Leser mit technischen Details zu Tode langweilt, oder den eingefleischten MP3-Hörer zur Schallplatte zu bekehren versucht. Vielmehr besticht das Buch mit viel Wissenswerten aus der Musikgeschichte, mit tollen Bildern und vielen Querverweisen zur Rock- und Popkultur und für jeden Musikliebhaber ein absolutes Must-have!

„Mike Evans:Vinyl. Die Magie der schwarzen Scheibe. Grooves, Design, Labels, Geschichte und Revival“,  Edition Olms Zürich, aus dem Englischen übersetzt von Stefanie Kuballa, Hardcover, 256 Seiten mit über 600 zumeist farbigen Fotos, 978-3-283-01237-3, 29,95 €.

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