Minor Victories: Minor Victories – Album Review

Minor Victories: Minor Victories – Album Review

Ein Debüt, das Lust auf ein zweites Album macht

von Gérard Otremba

Schnell ist man mit Begriffen wie „Supergroup“ bei der Hand, wenn sich einzelne Mitglieder bestehender und halbwegs zu Ruhm gelangter Bands für ein Album zusammenschließen. Und so machte dieses Wort auch unweigerlich die Runde bei Minor Victories, besteht die Band doch aus Slowdive-Sängerin Rachel Goswell, Mogwai-Gitarrist Stuart Braithwaite, Editors-Gitarrist Justin Lockey und dessen Bruder James Lockey am Bass. Da kann man als Freund des Independent-Alternative-Genres schon mal in Verzückung geraten. Und das Quartett liefert auch ab, kein Thema. Bereits der Opener „Give Up The Ghost“ ist ein gewaltiges Ungetüm aus Shoegaze- und  Noise-Rock, der sich langsam anschleicht und in ein Gitarreninferno mündet.

„A Hundred Ropes“ verbindet Joy Division, Interpol und die Editors, moderner New Wave im Indie-Gewand. Mit „Breaking My Light“ „Scattered Ashes (Song For Richard)“ und „Folk Arp“ folgen die drei besten Songs des Albums in direkter Folge. „Breaking My Light“ spielt vortrefflich mit den Laut-Leise-Wechseln, Rachel Goswells Stimme klingt entrückt in, respektive aus den englischen Wäldern. In himmlische Indie-Sphären katapultieren uns Minor Victories mit „Scattered Ashes (Song For Richard)“, Pathos trifft auf grenzenlose Hymnik und verursacht Gänsehautmomente, ganz stark. Geradezu minimalistisch und verwunschen kommt „Folk Arp“ daher, ein getragener, fast wie ein Indie-Folk-Ableger von Fairport Convention anmutender Track, der seine Spannkraft auch auf fast sieben Minuten Länge nicht verliert. Zum Ende hin drehen die Gitarren auf und begleiten Goswells samtweichen und ätherischen Gesang ins Ziel.

„Cogs“ hingegen verstärkt Geschwindigkeit und Furor um ein Vielfaches, während „For You Always“ mit Romantizismen aufwartet. „Out To The See“ gerät in einen mächtigen Wellengang, das siebeneinhalbminütige „The Thief“ erhaben, schwermütig und im Noise-Rock fast untergehend und das abschließende „Higher Hopes“ trägt die schwere Melancholie vier Minuten mit sich, bevor ein vehementes Gitarren-Schlagzeuggewitter zwei Minuten lang die Luft reinigt. Das Erstlingswerk vor Minor Victories macht Lust auf ein zweites Album von Minor Victories.

„Minor Victories“ von Minor Victories ist am 03.06.2016 bei Play It Again Sam / PIAS erschienen.

Minor Victories – Scattered Ashes (Song for Richard) from PIASGermany on Vimeo.

 

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