Wild Beasts: Boy King – Album Review

Wild Beasts: Boy King – Album Review

Wild Beasts bedienen sich beim Glamrock – und klingen dabei zeitgemäßer als je zuvor

von Sebastian Meißner

Der Glamrock von Marc Bolan soll die Hauptinspiration für „Boy King“ gewesen sein. Klingt komisch, denn Wild Beasts fünftes Album ist eine primär elektronische Angelegenheit, die Gitarre spielt nur eine Nebenrolle. Und doch: Der Geist von T. Rex aus „Warrior“-Zeiten ist deutlich zu hören. Der Opener „King Cat“ erinnert sogar überdeutlich stark „Mambo Sun“. Ansonsten beruht der Vergleich eher auf atmosphärischen Parallelen. Der Großteil der zehn Songs auf „Boy King“ besteht aus Mid-Tempo-Nummern. Interessant ist der Clash aus Synthie-Wänden und Hayden Thorpes prägnantem Falsett.

Die akustische Verschmelzung von menschlicher Wärme und maschineller Kühle gelingt den Briten spielerisch leicht. Besonders gut im hypnotischen „Alpha Female“, dem gebrochenen „2BU“ und dem ergreifenden „Dreamliner“. Das ist dunkler Synthpop mit kühlem Köpfchen und reichlich Sex-Appeal. Discotauglich und diskussionswürdig. Lasziv und larmoyant. Anschmiegsam und gefährlich. Die Songs auf dem Vorgängeralbum seien allesamt Lovesongs gewesen, „Boy King“ dagegen versammele ausschließlich Fuck-Songs. So zumindest hat es die Band selbst erklärt. Und damit eine weitere Erklärung geliefert für den Reiz dieser Songs: Etwas Ungezügeltes und Anrüchiges wohnt dieser Platte inne.

Inhaltlich widmen sich Thorpe und seine Mitstreiter auf diesem Album dem Männlichkeitsbild. Überbetonter Männlichkeit setzen sie eine Clownsperücke auf und halten ihr Wankelmut und Flexibilität entgegen. Immer mit einem Augenzwinkern. Immer todernst. „Now I’m all fucked up and I can’t stand up
 / So I better suck it up like a tough guy would“ heißt es etwa in „Tough Guy“. Und in der Vorabsingle „Get My Bang“ singt er „It`s the boy’s birthday / If they’re hungry then just let them eat cake“. „Boy King“ ist in seiner ganzen Erscheinung 2016. Ein Album, das den Zeitgeist einer Generation voll auf den Kopf trifft – zumindest diesen einen Sommer lang.

„Boy King“ von Wild Beasts erscheint am 05. 08.2016 bei Domino / Good To Go.


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