Pink Floyd: Neuauflage der ersten vier Alben auf Vinyl – Album Review

Pink Floyd: Neuauflage der ersten vier Alben auf Vinyl – Album Review

Die Alben The Piper At The Gates Of Dawn, A Saucerful Of Secrets, More und Ummagumma jetzt wieder auf Vinyl

von Gérard Otremba (Beitragsbild: Storm Thorgerson)

Seit über 20 Jahren sind die Alben der wegweisenden, britischen Psychedelic-Prog-Rock-Band Pink Floyd-Alben nicht mehr auf Vinyl erhältlich. Doch damit ist jetzt Schluss. Die Langspielplatten sind neu remastered worden und werden von Pink Floyd Records sukzessive wiederveröffentlicht. Den Auftakt der Re-Release-Reihe auf Vinyl machen die ersten vier Pink Floyd-Werke aus den 60er Jahren,  The Piper At The Gates Of Dawn, A Saucerful Of Secrets, More und Ummagumma.

The Piper At The Gates Of Dawn

Pink Floyd piperDas Pink Floyd-Debütalbum The Piper At The Gates Of Dawn stand noch ganz und gar im Zeichen des genialischen Syd Barrett. Nachdem sich die Floyds 1966 als Hausband des Londoner Undergroundclubs UFO einen Namen machten und im Frühjahr 1967 die Psychedelic-Pop-Singles „Arnold Layne“ und anschließend „See Emily Play“ herausbrachten, erschien im August des gleichen Jahres The Piper At The Gates Of Dawn, ein Album, das als eines DER Synonyme für den Psychedelic-Rock britischer Prägung steht. Sänger und Gitarrist Syd Barrett, Bassist und Sänger Roger Waters, Richard Wright an den Tasteninstrumenten und Nick Mason am Schlagzeug gehörten zu den innovativsten und progressivsten Musikern der damaligen Zeit. Herausragend auf Piper… der kosmische Eröffnungstrack „Astronomy Domine“ und der knapp zehn-minütige Wahnsinns-Trip „Interstellar Overdrive“, während sich Songs wie „Lucifer Sam“, „Mathilda Mother“, „Flaming“,  „The Gnome“ oder „Chapter 24“ aus dem Psychedelic-Beat herauskristallisieren und in die typische Experimentierlust Pink Floyds überführt werden.

A Saucerful Of Secrets

Pink Floyd secretsMit Syd Barrett ging es drogentechnisch sehr schnell bergab, so dass Gitarrist David Gilmour zunächst als fünftes Mitglied zur Gruppe stieß, Barrett aber schon 1968 ersetzte, weil dessen Zustand eine vernünftige musikalische Zusammenarbeit nicht ermöglichte. Roger Waters übernahm das Ruder bei Pink Floyd und trieb den technisierten Space-Rock auf A Saucerful Of Secrets in progressive Sphären. Von Pop-Songs im ursprünglichen Sinne konnte nun gar nicht mehr die Rede sein. Die Erschaffung von futuristischen Klangwelten war nun angesagt. Berauschende und hypnotische Trips in fremde Welten, mal verspielt und fast lieblich wie in „See Saw“, meistens jedoch schräg, skurril, bis zum Anschlag abgefahren und in neue Dimensionen stoßend, wie im zwölfminütigen Titeltrack „A Saucerful Of Secrets“. Hier konnte man Pink Floyd  beim Ausloten ihrer Grenzen zuhören. Bewusstseinserweiterung auf die harte Tour. Mit dem „Jugband Blues“ befindet sich noch eine letzte geräuschkulissenhafte Syd Barrett-Nummer auf dem Album.

More

Pink Floyd more1969 dann der Doppelschlag mit dem Soundtrack zum Film More und dem Doppelalbum Ummagumma. In nur acht Tagen spielten Waters, Gilmour, Wright und Mason das Album ein und lieferten zumeist wieder kurze und knappe Songs, die zwischen konzisem Flower-Power-Pop („Cymbaline“), wildem Hardrock („The Nile Song“), psychedelisch Experimentellem („Up The Khyber“) und melancholisch Folkigem („Cirrus Minor“) changiert. Sehr abwechslungsreich das Album, aber eben auch als Untermalung für Filmsequenzen gedacht.

Ummagumma

Pink Floyd ummaDas Doppelalbum Ummagumma enthält einen Live- und einen Studioteil. Der progressive Psychedelic-Space-Rock erstrahlt auf der ersten Platte mit den in Manchester und Cambridge aufgenommen Stücken „Astronomy Domine“, „Careful With That Axe, Eugene“, „Set The Controls For The Heart Of The Sun“ und „A Saucerful Of Secrets“ im glänzenden Licht, während für die zweite Platte jedes Pink Floyd-Mitglied jeweils ein halbe Seite für Eigenkompositionen zur Verfügung stand. David Gilmour blieb dem Psychedelic-Pop-Rock mit „The Narrow Way“ treu, Richard Wright improvisierte sich mit einem vierteiligen Werk durch die Moderne und den Free-Jazz, Roger Waters erschlug am Ende der Folkballade „Grantchaster Meadows“ eine Stubenfliege und gab sich der avantgardistischen Geräuschcollage „Several Species Of Small Furry Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict“ hin und Nick Mason trommelte sich durch ein Percussionsolo, flankiert von zwei Flötenpassagen. Das wohl kompromissloseste Werk von Pink Floyd.

Die Remastered-Ausgaben der Pink Floyd-Scheiben stammen von den analogen Original-Tapes und dementsprechend können sich alle Musikfreunde mit den neuen 180-Gramm-Vinyl-Werken wieder auf einen dynamischen, wärmenden, transparenten und luftigen Sound einstellen. Ein Muss für alle, die die Floyd-Alben noch nicht als LP besitzen, oder deren alte Platten eventuell doch zu zerkratzt klingen. Und für alle, die endlich in den Pink Floyd-Katalog einsteigen möchten. Eine bessere Gelegenheit wird es hierfür kaum mehr geben.

„The Piper At The Gates Of Dawn“, „A Saucerful Of Secrets“, „More“ und „Ummagumma“ von Pink Floyd sind am 03.06.2016 neu auf Vinyl bei Pink Floyd Records / Warner Music erschienen.

Kommentare

  • <cite class="fn">gerhard</cite>

    Schöne Erinnerung an die Frühphase der Band, besten Dank hierfür. Sollte man tatsächlich mal wieder aus dem Schrank holen. ‚More‘ finde ich zwar streckenweise etwas belanglos, aber die ersten beiden Alben sind ohne Zweifel Meilensteine des Prog-/Psychedelic-Rock, die auf der immer noch sehr hörenswerten ‚Ummagumma‘ die entsprechende Live-Umsetzung und Ergänzung erfahren.
    Lohnende literarische Ergänzung: Joe Boyd dokumentiert in seinem tollen Buch ‚White Bicycles‘ die Londoner Frühphase der Band (UFO Club etc.).
    Viele Grüße,
    Gerhard

    • <cite class="fn">Gérard Otremba</cite>

      Aus der Frühphase hat es mir besonders „The Piper…“ angetan. Bin schon mal auf die anderen Platten gespannt, liegen mir nämlich „nur“ als CD vor. Viele Grüße, Gérard

      • <cite class="fn">gerhard</cite>

        So gut wie auf „Piper“ wurde es eigentlich nie mehr, bis einschließlich „The Wall“ waren aber immer wieder interessante Ansätze und gute Einzelnummern enthalten (danach wurde es schlimm), aber als Gesamtwerk haben mich eigentlich nur noch wenige Werke nach „Ummagumma“ überzeugt, am ehesten noch „Wish You Were Here“ und „Meddle“. „Dark Side Of The Moon“ hat leider diese Mainstream-Nummer „Money“ am Start, die ich schon immer total gruslig fand, allein schon darum funktioniert das Gesamtwerk für mich irgendwie nicht. „Obscured By Clouds“ und „Animals“ sehe ich auch eher kritisch. Erstere als Soundtrack eher eine lässliche Sünde, „Animals“ irgendwie im Nachgang zu „Wish You Were Here“ überflüssig. Vom Original-Vinyl hab ich noch ein paar Sachen im Fundus, die „Wish You Were Here“-Auflage mit den Hypgnosis-Postkarten ist toll (und gut gepflegt ;-))
        Viele Grüße + ein schönes Wochenende,
        Gerhard

        • <cite class="fn">Gérard Otremba</cite>

          Die „Wish You Were Here“ ist definitiv mein 70er-Lieblings-Pink-Floyd-Album, wobei ich den ganz bekannten Werken „The Wall“ und „Dark Side Of The Monn“ auch immer noch sehr viel abgewinnen kann. Freue mich bereits auf die nächsten Vinyl-Ausgaben. Viele Grüße, Gérard

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