Kevin Morby: Singing Saw – Album Review

Kevin Morby: Singing Saw – Album Review

Eine Americana-Songwriter-Offenbarung

von Gérard Otremba

Mit Kevin Morby reift ein neues Genie heran. Ein neuer Meister, der sich mit seinem neuen Album Singing Saw mindestens in der Klasse eines Conor Oberst und Ryan Adams spielt und in die Richtung eines Jeff Tweedy von Wilco schielt. Die neun Songs auf seiner dritten Solo-Platte Singing Saw zeigen den Ex-Bassisten von Woods und Mitbegründer von The Babies auf einem beängstigend hohen Level und es bleibt einem nichts anderes übrig, als Kevin Morby in die Nähe von Bob Dylan (End-60er- und frühe 70er) und The Band zu rücken. Morbys Stimme wie einst Dylan während seiner Basement Tapes-Phase, bestens eingefangen in „Black Flowers“, wo eine minimalistische Gitarre gezupft und ein Piano gestreichelt wird, perkussive Drums den Takt vorgeben und weibliche Backing Vocals für die nötige Grandezza sorgt. Eine aus dem Americana-Himmel geschickte Offenbarung. Diese Einschätzung gilt selbstverständlich für das ganze Album, denn auf Singing Saw sind neun Songs versammelt, für die andere Songwriter töten würden.

Der sparsam arrangierte  Opener „Cut Me Down“ sowie der bedrückende, sieben Minuten dauernde Titelsong „Singing Saw“ evozieren samt singender Säge gespenstische Szenarien, das rhythmische, mit Bläsern und Frauenchor ausstaffierte „I Have Been To The Mountain“ mündet hingegen im großen Rausch. Herrlich sachte, melancholisch, wärmend und mit Streichern verziert das edle „Drunk And On A Star“ und wie ein hell leuchtender M. Ward strahlt das pulsierende, euphorische und furiose „Dorothy“. Das Piano im bedächtigen und würdevollen „Ferris Wheel“ mahnt an Neil Young und Nick Cave zugleich und das leicht entrückte, ebenfalls mit Streichern und Van Morrison-Smooth-Saxophon verstärkte „Destroyer“ berührt die romantische Seite der Herzen. Der erhabene und schunkelnde Abschlusstrack „Water“ dann nochmal allerfeinste, dylaneske Americana-Folk-Rock-Tradition, fast sieben Minuten Sehnsucht, weibliche „Uhuhuh“- und „Ahahah“-Chöre, Gänsehaut und Tränen der Freude garantiert. Ein grandioses Ende eines formidablen Albums. Mit Singing Saw setzt Kevin Morby ein fettes Ausrufezeichen in der Musikwelt.

„Singing Saw“ von Kevin Morby ist am 15.04. bei Dead Oceans / Cargo erschienen.

 

Kevin Morby – I Have Been To The Mountain… von scdistribution

Kommentare

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.