Joana Serrat: Cross The Verge – Album Review

Joana Serrat: Cross The Verge – Album Review

Begnadet schöne Songs zwischen Americana und Indie-Pop

von Gérard Otremba

Für die Aufnahmen zu ihrem dritten Album „Cross The Verge“ reiste die spanische Musikerin Joana Serrat nach Montreal, um die neuen Songs mit Produzent Howard Bilerman (Arcade Fire, The Barr Brothers) in dessen analogem Studio The Hotel2Tango fertig zu stellen. Eine zweifellos lohnenswerte Reise, überzeugt Cross The Verge mit dreizehn filigranen Stücken zwischen (Indie-)Pop, Folk und Americana. Joana Serrats sanfte, fast gehauchte Stimme verführt bereits im schwebenden Opener „Lonely Heart Reverb“, der sich als schicker Dream-Pop erweist. Verträumt erklingen Serrats Vocals auch in „Saskatoon (Break Of Dawn)“, hier jedoch in einem fluffigen Americana-Arrangement, als ob die, sich zurücknehmenden,  Avett Brothers in den Dream-Pop abdrifteten. Einfach entzückend.

Dieser Americana-Country-Stil trifft in „Cloudy Heart“ auf den Gitarren-Pop der Go-Betweens, Joana Serrat singt sehnsüchtig im Duett mit Neil Halstead (Slowdive, Mojave 3), Melancholie und Unbeschwertheit vereint in trauter Zweisamkeit, der schönste Song auf Cross The Verge und mit schönen Songs spart Joana Serrat nicht. Der dunkle, verzweifelte und dramatische Americana-Blues „Black Lake“, diesmal im Duett mit Ryan Boldt (The Deep Dark Woods) ist ein weiterer überragende Höhepunkt dieser Platte. Immer wieder rückt natürlich die betörende Stimme von Joana Serrat in den Mittelpunkt, wie in „Flags“, von bedrohlichen Gitarrenparts flankiert, oder in „Desert Valley“, das in seiner flirrenden Ästhetik an den Indie-Pop von Mazzy Star erinnert, aufgekratzte Gitarrensounds inklusive.

Herzerfrischend die Verliebtheit im am Ende tumultartigen „Lover“, zärtlich und wärmend der reduzierte Folk in „Oh, Winter Come“ und „Tug Of War“ glänzt mit perfektem Indie-Pop. Der Alternative-Country-Shuffle „I Follow You Child“ schießt ins Blut, während „Solitary Road“ im sehnsüchtigen Americana-Country schmachtet. Der Titelsong „Cross The Verge“ wandelt stilsicher zwischen den bisher genannten Genres, fühlt sich aber in der Nähe von Mazzy Star sichtlich wohl. Im nur 90 Sekunden dauernden Abschlusstrack „Your Gold Could Be Mine“ erreicht Joana Serrat die Intensität einer Marissa Nadler und verzaubert, lediglich von einer Akustikgitarre begleitet, den Hörer zutiefst. Ein perfekter Abschluss eines begnadet schönen Albums.

„Cross The Verge“ von Joana Serrat erscheint am 06.05.2016 bei Loose Music / Rough Trade.

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