Dirk Darmstaedter: Beautiful Criminals – Album Review

Dirk Darmstaedter: Beautiful Criminals – Album Review

Wieder ein echter Pop-Schatz des melancholischen und romantischen Hamburger Songwriters

von Gérard Otremba

Ja, es stellt sich eine gehörige Portion Wehmut beim Hören von Dirk Darmstaedters Stimme ein. Schließlich ist es auch schon 28 Jahre her, seit Darmstaedter mit seiner damaligen Band Jeremy Days in den deutschen Pop-Olymp einzog und sogar meine damalige Heimatstadt Worms mit einem Konzert beehrte. Von kulturellen Pop-Highlights dieser Art blieb die rheinhessische Nibelungenhochburg am Rhein zu jener Zeit meist verschont, man nahm das Angebot dankbar an. Während Darmstaedters neues Album läuft, stellt sich die Erinnerung fast zwangsläufig ein, verstärkt durch die melancholische Atmosphäre, die von der Musik auf Beautiful Criminals erzeugt wird.

Die Melancholie auf Darmstaedters 13. Studioplatte seit dem Split der Jeremy Days hat jedoch nichts Deprimierendes an sich, im Gegenteil aalt sie sich auf der Sonnenseite des Lebens und fühlt sich in den ungemein fluffigen, charmanten und positiv gestimmten Pop-Arrangements offensichtlich pudelwohl. So wohl, dass Sounds & Books nicht umhin konnte, „Summer Camp Girls“ zum Song des Tages zu küren und als kommenden Sommer-Hit anzupreisen. Ob es letztendlich ein Hit wird, entscheiden andere, aber in einer gerechten Musikwelt liefe „Summer Camp Girls“ wochenlang jeden Tag auf allen Sendern und Kanälen auf heavy rotation.

Wehmut, ja, aber eben auch eine lässige, catchy, ungemein eingängige Melodie hat sich Dirk Darmstaedter einfallen lassen und davon gibt es auf Beautiful Criminals mehr als genug. Beginnt der Longplayer mit „This Is Where I Leave You“ noch im fließenden, melancholischen Soul-Pop, in den man sich unbeschwert fallen lassen kann und weich aufgefangen wird, erinnert sich Darmstaedter in „Pop Guitars“ an die hoffnungslos romantische Teenagerzeit, schwermütig, gewiss, aber mit Pop-Aplomb, Bläsern, Background-Chorus und feinsten Hooks.

Zu diesen schnuffigen, melancholischen Pop-Perlen zählen noch der Titeltrack „Beautiful Criminals“, das sich anschleichende und im Refrain zu den Sternen greifende „Honey“ und das entzückend verträumte „Cal“. Uptempo-Nummern („Where The Wild Things Are“, „You Hold The Key“), klassisches, instrumental reduziertes Songwriting („Five Years“, „Pages“) und einige weitere, höchst angenehm zu hörende Songs machen Beautiful Criminals, genauso wie den Vorgänger Before We Leave, zu einem echten Pop-Schatz. Dirk Darmstaedter ist ein hoffnungsloser Romantiker geblieben, und das macht ihn ungemein sympathisch.

„Beautiful Criminals“ von Dirk Darmstaedter erscheint am 08.04.2016 bei Beg Steal & Borrow.

Kommentar schreiben