Femme Schmidt: RAW – Album Review

Femme Schmidt: RAW – Album Review

Opulent arrangierter, aber gefühlvoller Soul und Pop der 26-jährigen Berlinerin

von Gérard Otremba

Mit ihrem zweiten Album RAW ist Femme Schmidt definitiv in die erste Liga der Pop-Diven aufgestiegen. Man möchte in diesem Zusammenhang fast schon von einer deutschen Ausgabe der englischen Chanteuse Adele sprechen. Deren überbordende Stimmenakrobatik ist Femme Schmidts Sache zwar nicht wirklich, aber in gekonnt glamouröser Pop-Opulenz schwelgt die in Berlin beheimatete Sängerin auf RAW in vollen Zügen. Somit dann doch zwischen Rebecca Ferguson und Adele zu verorten. Der Pop Noir des selbstbetitelten Debüts von 2012 ist auf RAW zwar noch vorhanden, weicht aber zusehends einem dominanten, weit ausholenden, orchestralen Sound.

Einige Songs bewerben sich direkt für den nächsten James Bond-Soundtrack, darunter das gerockte „Kill Me“, das mit viel Indie-Charme aufwartet und dennoch die Pop-Dramatik nicht verhehlt, die durch ein voluminöses und abruptes Song-Ende verstärkt wird. Die 26-jährige Femme Schmidt singt einerseits verführerisch und andererseits fordernd, Schmuse- und Raubkatze in einem Song, einer Milo Milone von Rhonda nicht unähnlich. Die Richtung von RAW gibt bereits der mächtige Opener „To The Edge“ vor, wo gewaltige „OhOhOhOh“-Chöre auf nicht minder opulente Orchester-Streicher-Arrangements treffen. Eine Grandezza, die uns in den anschließenden Songs „The Music“ (erhaben mit verträumten Momenten) und „Golden“ (klassischer und exzellenter Diven-Pop mit potentiellem Radio-Hit-Charakter) wiederbegegnet.

Geradezu melancholisch und wunderschön fließt „Temple Of Tears“ vorbei, während „Million Baby“ alle genannten Ingredienzien mit Jazz-Einflüssen garniert. Großen Jazz-Pop-Pathos offeriert uns Femme Schmidt im Titelsong „Raw“, bevor in „Hurt So Good“ die dunklen und schleichenden Beats von Portishead Einzug halten und den Pop-Jazz-Noir befeuern. Dass der Song trotzdem auch bombastische Stellen aufweist, geschenkt. Und wenn Femme Schmidt in „Surround Me With Your Love“ „I need your love“ schmachtet, liegen wir ihr allerspätestens dann zu Füßen, der Sinnlichkeit erlegen. Trotz aller monumentalen Arrangements ist der Soul ganz auf Seiten von Femme Schmidt. So viel Gefühl kann in einer Pop-Diva stecken.

„RAW“ von Femme Schmidt erscheint am 04.03.2016 bei Dolce Rita / Warner Music.

 

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