The Beatles: 1 – Album Review

The Beatles: 1 – Album Review

Die im Jahre 2000 erschienene Compilation, um eine DVD erweitert

von Gérard Otremba

Natürlich besitzt man irgendwie schon alle offiziellen Veröffentlichungen von den Beatles, auch die Hit-Zusammenstellung „1“ aus dem Jahre 2000. Klar kann jene „Best-Of“ dem roten und blauen Doppel-Album nicht das Wasser reichen. Doch begann meine bis heute reichende Beatlemania nicht vor über 30 Jahren mit dem Kauf der LP 20 Greatest Hits? Es ist ein erster, völlig legitimer Zugang zu einer Band und sollte „1“ eine ähnliche Wirkung auf viele jüngere Menschen ausüben wie einst das Greatest-Hits-Album auf mich, ist der Sinn einer solchen Veröffentlichung schon erreicht. Denn logischerweise sollte es nicht bei einem Best-Of-Album bleiben. Im Prinzip bei keiner Band, und bei den Beatles auf keinen Fall. Von der besten Band aller Zeiten sollte mehr im Platten-, respektive CD-Regal zu finden sein.

Für die Neuauflage des „1“-Albums der Beatles spricht selbstverständlich die beigelegte DVD, bzw. Blu-ray. Zu den 27 nur allzu bekannten Nummer-1-Hits gesellen sich nun sogenannte „Werbefilme“, eine Art Vorreiter professioneller Musikvideos der MTV-Ära. Zielten eben jene in den 80er Jahren produzierten Musikclips auf die visuelle Ausdruckskraft und ließen die Musik häufig in den Hintergrund treten, dienen diese Filme den Beatles zur optischen Untermalung ihrer Musik. In 85 Minuten läuft die Karriere der Beatles in bewegten Bildern vor uns ab. Die Frühwerke wie „She Loves You“, „I Want To Hold Your Hand“ und „Can’t Buy Me Love“ in Kreisch-Alarm-Beatlemania-Fernsehstudioaufnahmen-Background, „Yesterday“ live in der Ed Sullivan-Show und für „Eight Days A Week“ stehen Aufnahmen rund um das Live-Spektakel vom 15. August 1965 im Shea-Stadium in New York bereit, die einem nochmal den geradezu grotesken Hype um John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr vor Augen halten.

Das Jahr 1965 war ein erster großer Wendepunkt im Leben der Fab Four. Lennon rief um Hilfe, der Einfluss von Swinging London hatte das Liverpooler Quartett erreicht, wie die längeren Haare und das existentialistische schwarze Outfit auf den am 23. November 1965 aufgenommenen und mit ihren charmanten Witz punktenden Videos zu „I Feel Fine“, „Ticket To Ride“, „Help“, „Day Tripper“ und „We Can Work It Out“ beweisen. Wesentlich bunter wird es ab 1967. The Beatles voll im Hippierausch mit farbigen Gewändern, mit denen sie es bei „Hello Goodbye“ auf die Spitze treiben. Unvergesslich die Präsentation der Hymne „All You Need Is Love“ für die weltweit ausgestrahlte Fernsehsendung Our World am 28.06.1967 und genauso legendär ihr Auftritt in David Frost‘s Show Frost On Sunday mit „Hey Jude“ im Jahre 1968.

Für das „Get-Back“-Video sind Aufnahmen des berühmten Dach-Konzertes vom 30. Januar 1969 hinzugezogen worden und „The Long And Winding Road“ sowie „Let It Be“ kennt man aus eben jenem Film, der auch mal in restaurierter Fassung wiederveröffentlicht werden sollte. Ganz arg bezaubernd die paarweise Zweisamkeit der Musiker mit ihren Gattinnen im „Something“-Video (dem schönsten George Harrison-Song ever). „The Beatles 1“ ist eine höchst sehenswerte und unterhaltsame filmische Musikbegleitung, die uns mit der besten Band aller Zeiten (kann man nicht häufig genug betonen) durch die spannendste Dekade des Rock-Pop führt.

Neben der neu gemixten und restaurierten CD/DVD-Variante ist noch die „The Beatles 1+“-Edition erschienen, auf der insgesamt 50 Promotionfilme zu bewundern sind. Eine Vinylausgabe ist ebenfalls geplant.

„The Beatles 1“ von The Beatles ist am 06.11.2015 bei Appple Corps Ltd. / Universal Music erschienen.

Siehe hierzu auch den schönen Bericht der geschätzten Kollegin Sabine Wirsching auf Text, Mags, Rock’n’Roll.

 

Kommentar schreiben